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Netzwelt

11. Dezember 2016 | 09:07 Uhr

Christiansens Netzwelt : Zufälle gibt’s nicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Woher kommen eigentlich die Vorschläge für neue Facebook-Freunde?

Folgendes Szenario: Sie leben in einem Mietshaus mit mehreren Partien. Die Hausverwaltung hat Ihre Handynummer an den Fernsehtechniker weitergegeben, damit er mit Ihnen kurzfristig einen Termin abstimmen kann – so weit, so abgesprochen, so gut. Der Techniker ist nett, sie quatschen ein bisschen – das macht die Arbeit ja ein wenig angenehmer –, er behebt die Störung. Aufgabe erfüllt. Weiterer Kontakt steht nicht zur Debatte.

Facebook sieht das anders. Plötzlich wird Ihnen der kommunikative Kurz-Besucher in der Funktion „Personen, die du vielleicht kennst“ als neuer Freund vorgeschlagen. Hat das Netzwerk kapiert, dass Sie sich in im selben Raum befunden und außerdem gut unterhalten haben? Haben Sie gemeinsame Freunde, sind in denselben Facebook-Gruppen aktiv oder interessieren sich für dieselben Veranstaltungen? Oder ist es doch reiner Zufall? Zumindest Letzteres lässt sich ziemlich sicher ausschließen – Zufälle gibt’s in der Facebook-Welt nämlich nur ganz wenige.

Jahrelang schon rätselt das Netz, mithilfe welcher Daten das soziale Netzwerk die Freunde-Vorschläge aus dem Ärmel schüttelt, die es uns dann in unserem Newsfeed unter die Nase hält. Facebook selbst hielt sich weitgehend bedeckt. Bis jetzt.

Zwei US-amerikanische Journalisten haben von dem datenhungrigen Konzern eine Antwort auf diese Frage erhalten: Der Schlüssel zur Vernetzung der Gemeinschaft ist – neben Anhaltspunkten wie gemeinsame Freunde und Interessen – auch das Telefonbuch. Kurznachrichtendienste wie der Facebook Messenger fordern vom Nutzer bei der Installation Zugriff auf die Kontakte. Ein reines Austauschen der Nummer – ohne Facebook – reicht also nicht mehr, zumindest wenn es nach den Vernetzern unserer Welten geht. Facebook will mitlesen, wie aus dem Knüpfen zarter Bande ein regelmäßiger Austausch von Fotos, Geodaten oder Nachrichten wird.

Einen Aufschrei zieht die Erkenntnis bislang nicht nach sich – und eine große Nutzerabwanderung zu anderen Diensten bleibt wohl auch aus. Schade.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 11:14 Uhr

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