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Netzwelt

07. Dezember 2016 | 09:45 Uhr

WLan in Kirchen Postillon-Satire wird wahr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Kirchen suchen Gläubige nach einer Verbindung zu Gott – bald können sie sich dort auch mit dem Internet verbinden. Und damit digital nach draußen kommunizieren: „Godspots“ sollen Kirchenbesuchern zumindest in vielen evangelischen Kirchen in Berlin und Brandenburg WLan bieten – kostenlos und sogar über den Kirchraum hinaus.

Damit wird das Realität, was die Satireseite „Der Postillon“ bereits 2011 vorschlug, um leere Kirchenbänke zu füllen. In einer Stunde Gottesdienst eine Stunde offline zu sein – eine Zumutung für die jungen Gemeindemitglieder ohne Surfstick, schrieb der Postillon damals, natürlich nicht ohne Augenzwinkern. Die bekannte Online-Satireseite spann weiter: Mit WLan „könnten junge Gläubige mit Live-Twitter-Nachrichten wie ,OMFG! Sitze grad in der Kirche. Der Priester ist zwar ein n00b^^, dafür riechts hier voll nach Weihrauch' oder Facebook-Statusmeldungen wie ,LMFAO. Daniel in der Löwengrube ist ja sooo AT :-D' auch Altersgenossen außerhalb der Kirche neugierig auf das Wort Gottes machen.“

Dieser Witz könnte in Berlin bald Realität werden. Doch was passiert mit der analogen Spiritualität, wenn möglicherweise die gesamte Gemeinde nicht mehr nach vorn zum Altar, sondern nur noch runter aufs Smartphone schaut? Die Kirchenleitung hat da keine Angst. „Menschen sind nicht weniger spirituell als früher. Aber die Orte der Kommunikation haben sich verschoben, vieles findet in digitalen sozialen Netzwerken und Communities statt“, sagt IT-Leiter Fabian Kraetschmer. Jetzt wolle man als Evangelische Kirche mit „Godspot“ eine „sichere und vertraute Heimstatt in der digitalen Welt bauen“.

Nicht nur die Besucher, sondern auch die Passanten können sich schon bald in 220 Kirchen ins WLan einwählen, bis zum Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg soll es das Angebot sogar in allen Kirchen und kirchlichen Gebäuden in Berlin und Brandenburg geben. Eine Registrierung oder Anmeldung ist laut Kirchenleitung nicht notwendig. Aber: Zunächst kommen die Besucher auf eine Landing-Page, die Infos zur Gemeinde, zum Gebäude und zum Glauben parat hält. Von dort aus können sie sich dann weiter im Netz bewegen. Ganz ohne Hintergedanken ist die Internet-Offensive also offenbar nicht.

Freies WLan – etwa auch für die Gotteshäuser in Schleswig-Holstein? Bislang ist im Norden noch kein „Godspot“ geplant. Doch immerhin, das bestätigt Sprecher Frank Zabel auf Anfrage von shz.de, sei die Nordkirche mit der EKBO (Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz) im Gespräch über das „spannende Projekt“. „Wir werden uns über die Entwicklung weiter informieren.“

 

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erstellt am 19.Mai.2016 | 11:09 Uhr

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