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Netzwelt

03. Dezember 2016 | 01:25 Uhr

Wikileaks Assange ohne Netz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Manchmal ist es der Zeitpunkt, der ein Politikum ausmacht – und die Entscheidung, Wikileaks-Gründer Julian Assange das Internet abzudrehen, hätte unglücklicher nicht sein können: Mitten in der heißen Phase des US-Wahlkampfs, kurz nachdem Wikileaks Mails veröffentlichte, die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton schaden können. Hacker hatten die Informationen beim Parteivorstand der US-Demokraten erbeutet und veröffentlicht – kurz darauf war Assange der Enthüllungsplattform zufolge offline. Die Hintergründe bleiben unklar – umso mehr wittert Wikileaks einen Zusammenhang. Ecuador habe Assange am Sonnabend die Leitung gekappt, schrieb Wikileaks bei Twitter, „kurz nach Veröffentlichung der Goldman Sachs-Reden.“ Wikileaks zitiert außerdem anonyme Quellen, die Außenminister John Kerry als denjenigen nennen, der Ecuador bat, Assange an Veröffentlichungen zu hindern.

Seit mehr als vier Jahren lebt Julian Assange in London auf engem Raum in der Botschaft Ecuadors – stets in der Angst, ausgeliefert zu werden, sobald er das Gebäude verlässt. Nicht einmal ein Krankenhaus könne er für eine wichtige medizinische Untersuchung aufsuchen, beklagt Wikileaks. Das Internet war sein Weg nach draußen. Die Verbindung nutzte er unter anderem für Auftritte auf Konferenzen.

Assange will sich in seinem Botschafts-Asyl einer Auslieferung nach Schweden entziehen, wo ihm sexuelle Vergehen vorgeworfen werden. Der Netzaktivist und seine Unterstützer erklären aber, es sei zu befürchten, dass er von Stockholm an die USA weitergereicht werden könne, wo ihn kein fairer Prozess erwarte.

Regierungskreise aus Ecuador wollten sich im Gespräch mit der britischen Agentur PA nicht äußern. „Ecuador wird Julian Assange weiter schützen und das 2012 gewährte politische Asyl aufrechterhalten“, hieß es lediglich.

Assange wurde als Gründer der bekannten Leak-Plattform zunächst von der Netzgemeinde als Held gefeiert. Doch das Image des Internet-Rebellen ist stark angekratzt. In der „Zeit“ hieß es über Assange: „Als die Hacker-Organisation Ende 2006 gegründet wurde, sah sie sich als Anwalt der Menschheit. Aus der internationalen Mission ist ein Informationskrieg gegen die USA geworden.“ Zuletzt wurde Assange kritisiert, dass er sich im US-Wahlkampf auf die Seite Donald Trumps geschlagen habe. Hinter dem aktuellen Angriff werden Hacker mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst vermutet. Assange wies die Vorwürfe zurück, mit Moskau gemeinsame Sache zu machen und Clintons Rivalen zu helfen. Mehrere seiner Äußerungen zeigen allerdings eine Nähe zur republikanischen Partei.

Am Wochenende hatten Nachrichten vom Twitter-Account von Wikileaks, die wie Entschlüsselungs-Codes aussahen, Spekulationen über einen möglichen Tod Assanges ausgelöst. Die Tweets wurden dabei als eine „Lebensversicherung“ für den Zugang zu Unterlagen interpretiert.

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erstellt am 18.Okt.2016 | 11:32 Uhr

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