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Netzwelt

10. Dezember 2016 | 15:43 Uhr

Digitaler Fingerabdruck : Wie Youtube Piraterie bekämpft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wer ein bekanntes Lied in seinem eigenen Video benutzt, muss nicht mit Strafen rechnen. Youtube hat eine andere Lösung gefunden.

Ein Video auf Youtube ist schnell hochgeladen – doch manchmal führt der Inhalt zu einem unerwarteten Ärgernis. Ist im Clip ein bekannter Song enthalten, etwa als musikalische Untermalung oder Karaoke-Darbietung, landet oft wenig später eine E-Mail von Youtube im Postfach. „Ein Rechteinhaber, der Content ID verwendet, beansprucht Inhalte in Deinem Video“, heißt es darin. Und: „Keine Sorge, Du bekommst keinen Ärger.“ Der Clip müsse nicht gelöscht werden, allerdings verdiene der Rechteinhaber an den Werbeeinnahmen, die rund um das Video generiert würden.

Bei dem System Content ID können die Rechteinhaber Songs, aber auch Kinofilme oder Sport-Livestreams zu Youtube als sogenannte Referenzdatei übertragen. Daraus wird dann eine Art digitaler Fingerabdruck erstellt, mit dem das Material wiedergefunden werden kann. Der Datenpool der Google-Tochter umfasst derzeit etwa 50 Millionen Referenzdateien mit einer Gesamtdauer von rund 600 Jahren. Dem gegenüber stehen die 400 Stunden Material, die minütlich weltweit auf die Videoplattform hochgeladen werden. Die Daten werden miteinander abgeglichen. Kommt es zu einem Treffer, werden beide Seiten darüber informiert. Der Rechteinhaber hat die Möglichkeit, seinen Inhalt zu blockieren – oder damit Geld zu verdienen. Laut Youtube haben sich im Musikbereich inzwischen 95 Prozent der Songrechteinhaber dafür entschieden, via Content ID Geld zu verdienen. Und: Mehr als 50 Prozent des Umsatzes der Musikbranche auf Youtube würden auf diesem Weg erzielt.

Doch die optimale Lösung, um auch auf Gratis-Plattformen gutes Geld zu verdienen, sei ein solcher „digitaler Fingerabdruck“ nicht, sagt Florian Drücke vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI). „Es muss endlich klargestellt werden, dass auch Online-Plattformen wie Youtube Lizenzen für ihre Inhalte zahlen müssen – so, wie es Spotify, Apple Music oder Deezer tun“, fordert er.

Über Content ID wurden laut Youtube bisher zwei Milliarden Dollar an die Rechteinhaber ausgeschüttet. Natürlich verdient auch das Unternehmen selbst kräftig mit. Genaue Zahlen werden nicht genannt – nur dass mehr als die Hälfte der Erlöse an die Rechteinhaber gehe. Aus der Musikindustrie wird allerdings immer wieder Kritik laut, dass Youtube gemessen an seiner Größe zu wenig Geld abgebe.

Auch wenn laut Youtube 98 Prozent der copyright-relevanten Inhalte durch Content ID aufgespürt werden, rutscht immer wieder etwas durch den Filter. Um das System auszutricksen, hatten Nutzer zuletzt geschützte Kinofilme in 360-Grad-Videos eingebettet – die Inhalte blieben unerkannt.

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erstellt am 19.Aug.2016 | 08:56 Uhr

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