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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 05:25 Uhr

Nagars Netzwelt : Was Youtube zu unfreundlich für Werbung findet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Professionelle Youtuber wollen vom Filmen leben – doch das Videoportal hat ein Problem mit ernsten Themen.

Daniel ist stinksauer. Der US-Youtuber, der als MrRepzion immerhin mehr als 500  000 Abonnenten erreicht, hat eine Mail von Youtube erhalten, die er wiederum in einem Video mit dem Titel „WTF Youtube“ schimpfwortreich kommentiert. Einige seiner Videos seien laut Mail nicht „Advertiser friendly“ – nicht angenehm für Firmen, die Werbung schalten. Und so wurde die Werbung kurzerhand entfernt, die Videos dürfen bleiben. Ärgerlich für den Berufs-Youtuber, denn er möchte gern von seinen Filmchen aus dem Wohnzimmer leben. Nun mag man meinen, dass bei der Qualität mancher Videos Werbung tatsächlich kontraproduktiv sein kann. Sicher wollen einige Unternehmen nicht mit Pöbeleien in Verbindung gebracht werden.

Doch man muss davon ausgehen, dass es bei MrRepzion um etwas anderes geht. Er beschäftigt sich in den beanstandeten Videos sehr nachdenklich mit Themen wie Einsamkeit, Missbrauch und Selbstmord. Eine Nutzerin schreibt in den Kommentaren, ihr sei ebenfalls bei Videos über psychische Probleme die Werbung entzogen worden. Vielleicht ist das ja tatsächlich ein Umfeld, in dem sich nicht gut Katzenfutter oder Traumreisen verkaufen lassen. Doch das darf nicht der Punkt sein. Wenn das Videoportal ernsten, aber offenbar marktunfreundlichen Themen die Finanzierung entzieht, kann das zur Folge haben, dass Youtuber sie künftig weniger ansprechen. Aus finanziellen Gründen.

Youtube: Nicht werbefreundliche Inhalte

Als "nicht werbefreundlich" gelten unter anderem die folgenden Inhalte:

  • Sexuell anzügliche Inhalte (z. B. teilweise Nacktheit und sexueller Humor)
  • Darstellungen von Gewalt (z. B. schwere Verletzungen und Ereignisse, die im Zusammenhang mit gewalttätigem Extremismus stehen)
  • Unangemessene Ausdrücke (z. B. Belästigungen und obszöne bzw. vulgäre Äußerungen)
  • Positive Darstellung von Drogen und gesetzlich geregelten Substanzen (einschließlich Verkauf, Konsum und Missbrauch)
  • Umstrittene oder heikle Themen und Ereignisse (z. B. Krieg, politische Konflikte, Naturkatastrophen und tragische Vorfälle) – auch, wenn keine expliziten Bilder gezeigt werden
 

Doch es gibt ja zum Glück noch eine Reihe von Menschen, nicht nur aufs Geld schauen. Und am Ende zahlt sich das einzelne Video zwar nicht schnell und direkt aus, aber vielleicht langfristig und weniger messbar. Entweder dadurch, dass die Abonnenten dem Youtuber treu bleiben – oder sogar indem einem Menschen geholfen wird, der sich mit den gleichen Problemen konfrontiert sieht wie Daniel. Das lässt sich nicht in Klicks und Werbeeinnahmen erfassen. Auch wenn beim Internet so vieles messbar ist: Wie ein Sonar scannen Statistiken nur die Oberfläche, und man kann nur spekulieren, was dahinter steckt. So wird auch Youtube irgendwann wohl einen Youtuber weniger haben. Denn MrRepzion will das Portal verlassen, wenn es ihm noch einmal die Werbung entzieht. In der Statistik aber wird der Verlust wohl nicht weiter auffallen.

Nachtrag: Die Werbung bei dem erwähnten Video über verschiedene Arten von Einsamkeit von MrRepzion wurde offenbar wieder angestellt.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 12:25 Uhr

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