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Netzwelt

08. Dezember 2016 | 01:08 Uhr

Dreyklufts Netzwelt : Warum Whatsapp nicht kaputt gemacht werden darf

vom
Aus der Onlineredaktion

Brasilien will durch ein Abschalten der App Verbrechen bekämpfen. Und morgen reiten wir wieder auf Eseln.

Das Internet führt oft zu zwei Missverständnissen. Erstens: Es ist an allem schuld. Zweitens: Es kann alle Probleme lösen. Das zeigt sich gerade in Brasilien, wo Whatsapp blockiert wird, weil die Behörden an die Konversationen von Kriminellen wollen.

Das Netz führt also dazu, dass Kriminelle sich leichter zu Verbrechen verabreden können als in analogen Zeiten.  Aber, so die Logik, wenn man an die Daten der Verbrecher kommen kann, wird so Verbrechen aufgeklärt. In vordigitale Zeiten übertragen wäre das so, als würde man behaupten, das Automobil sei schuld an der Zunahme von Überfällen. Wenn man aber nur schlechte Autos erlaubt, werden die Täter auf der Flucht gefasst.

Whatsapp ist seit kurzem so verschlüsselt, dass Whatsapp selbst die Nachrichten nicht mehr lesen kann. Das macht Demokraten und Despoten auf der Welt nervös. Denn nun, so die Fantasie, verschwören sich weltweit die Schurken per Whatsapp. Da hilft es nur, den Dienst durch Zwangsmaßnahmen wieder so kaputt zu machen, dass sie im Nachhinein gefasst werden können. Wie würden nach dieser Logik bloß unsere Autos aussehen?

Verschlüsselung ist eines der wichtigsten Themen der Digitalisierung. Nur wer sicher ist, seine Privatsphäre und seine Geschäftsgeheimnisse schützen zu können, wird über digitale Kanäle kommunizieren. Ansonsten wären wir gezwungen, um in der Auto-Metaphorik zu bleiben, wieder Esel zu reiten.

Jede Technik, die Wohlstand bringt, macht auch Verbrechern das Leben leichter. Das ist kein Grund, sie absichtlich zu zerstören. Deshalb finden Sie abschließend meine persönlichen Tipps für sichere Kommunikation. Die können auch von Verbrechern missbraucht werden. Nur zu.

Betriebssystem: Linux ist sicherer als MacOS ist sicherer als Windows.

E-Mail: Protonmail ist unkompliziert, bietet Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und die Möglichkeit, Mails mit einem Verfallsdatum zu versehen.

Surfen: Orfox mit Orbot bietet eine sichere Kaschierung der eigenen IP-Adresse durch das Tor-Netzwerk.

Messenger: Wer wert legt auf Verschlüsselung, scheint mir mit Threema oder Telegram noch besser bedient als mit Whatsapp.

SMS: Signal verschlüsselt auch SMS, wenn beide Signal verwenden, von Ende zu Ende.

(alle Smartphone-Anwendungen nur unter Android getestet)

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erstellt am 03.Mai.2016 | 16:10 Uhr

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