zur Navigation springen

Netzwelt

03. Dezember 2016 | 05:41 Uhr

Nagars Netzwelt : Warum Ignored Reality gar nicht so schlecht ist

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Generation „Kopf Unten“ steht in der Kritik – dabei gibt es auch gute Argumente zum Handy zu greifen.

Die beiden jungen Frauen sitzen einander gegenüber auf dem Boden im Flur vor dem Sportraum. Der Yoga-Kursus soll gleich beginnen. Beide gucken auf ihr Smartphone, wischen konzentriert darauf herum. Das geht minutenlang so. Irgendwann sagt die Brünette: „Ich bin so müde.“ Und die Blonde antwortet „Hmhm.“ Und sie wischen weiter. Szenenwechsel. Ein voller U-Bahnwagen in einer Metropole. Dort sitzen ein junger Mann und eine junge Frau über Eck und daddeln auf ihren Handys. Sie sehen irgendwie so aus, als würden sie gut zueinander passen. Im Film hätten sich die beiden kurz darauf wieder getroffen, um den letzten Blaubeermuffin im Café gestritten und das führt ja bekanntlich zum Happy End. Doch das passierte wohl nicht. Irgendwann stieg einer aus, der andere nicht.

Die Realität steht dank Smartphones in Konkurrenz mit dem Internet. Denn dass das Netz fast immer da ist, hat zur Folge, dass manche Leute um einen herum häufig abwesend sind. Und während das Netz so hübsch ist, tut die Realität nicht gerade viel dafür, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen.

Über die Generation „Kopf Unten“, deren Blick stets im Netz gefangen ist, kann man vorzüglich lästern. Das Netz ist voll von Sozialkritik im Nörgelton eines typischen Generationskonflikts. Der lässt aber eines außer acht: Hinter der schluffigen Optik der vielzitierten Smombies, den Smartphone-Zombies, steckt nicht nur Eskapismus. Also kehren wir den Spieß um und erzählen von dem Paar, das jahrelang nur wenige Straßen entfernt voneinander wohnte, sich aber nie begegnete. Bis sie bei einer Online-Singlebörse aufeinander trafen. Erzählen vom Studenten, der via Sprach-App spanische Vokabeln paukt, weil es sein Traum ist, ein Austauschsemester zu machen. Oder wir blicken auf den Außenseiter, der sich in seiner Schulklasse stets unverstanden fühlte, im Internetforum aber andere fand, die so waren wie er. Und zusammen ist man bekanntlich weniger allein, das gilt auch im Internet. Übrigens soll es möglich sein, Smombies mittels Spracheingabe in die Realität zurückzuholen. Nur wenn’s mal wieder im Nörgelton ist, läuft ihre Aufmerksamkeitsfunktion etwas ruckelig.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Aug.2016 | 16:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen