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Netzwelt

06. Dezember 2016 | 09:22 Uhr

Dreyklufts Netzwelt : Warum German Angst uns beim Datenschutz nicht weiterhilft

vom

„Datensparsamkeit“ gilt als deutsche Erfindung. Nun wird sie aufgeweicht. Richtig so!

Wenn die Deutschen Angst haben, geht die entsprechende Begrifflichkeit oft in den internationalen Sprachgebrauch ein. Das fängt bei der Angst selbst an. „German Angst“ ist im Angelsächsischen ein geflügelter Begriff, im Französischen gibt es „le waldsterben“, auch ein Angstbegriff.

Oft sehe ich in englischsprachiger Fachliteratur das Wort  „Datensparsamkeit“. Gemeint ist ein Heilmittel gegen die Angst vor Schnüffelei und Gläsernen Bürgern.

Seit den frühen 1980er-Jahren war auch ich ein Fan der Datensparsamkeit, inspiriert etwa durch das 1983er-Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts.

Seit Jahren nagen Industrie-Lobbyisten am Prinzip der Datensparsamkeit, halten sie für nicht mehr zeitgemäß. Die Kanzlerin haben sie nun offensichtlich im Sack: „Das Prinzip der Datensparsamkeit kann nicht die Richtschnur sein für die neuen Produkte“, sagte Angela Merkel beim „Nationalen IT-Gipfel“ vor einer Woche in Saarbrücken.

Und ehrlich gesagt: Mich haben sie auch im Sack. Denn ich bekomme zunehmend ein Gefühl dafür, wie positiv es sein kann, wenn Daten von mir und vielen anderen erhoben, gespeichert und ausgewertet werden.

Google etwa weiß, durch die vielen Android-Handys mit eingeschalteter Ortsbestimmung, wie schnell der Verkehr auf der Strecke wirklich fließt, die ich fahren will. Anbieter von Nachrichten im Internet wissen, welche Inhalte gelesen werden  – und welche nicht. Beides finde ich positiv.

Ich gebe seit einiger Zeit fast alle Daten frei, nach denen mich die App-Anbieter fragen und die mir sinnvoll erscheinen. Mir bringt das Vorteile. Und wenn wir eine Wirtschaft hätten, die in Echtzeit Kundenwünsche, Lieferströme und Produktionsprozesse synchronisieren kann, hätten wir alle Vorteile.

Ich betone: fast! Denn statt des pauschalen: „Meine Daten kriegst du nicht“, muss ich nun überlegen: Ist es sinnvoll, wenn die Taschenlampen-App mein Adressbuch lesen will?

Die Diskussion ist erst am Anfang. Meine Prämisse: Ich fürchte mich nicht mehr, meine Daten preiszugeben. Aber ich muss lernen, damit souverän umzugehen. Dafür brauche ich eins: Transparenz der Anbieter, was mit meinen Daten geschieht.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 20:45 Uhr

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