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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 13:35 Uhr

Dreyklufts Netzwelt : Waffenkauf per Spezial-Browser: Kleiner Ausflug ins Darknet

vom

München ist Anlass für eine Debatte über dunkle Ecken des Internets. Dort geht es zu wie im echten Leben.

Früher, wenn ein Verbrechen begangen wurde, und es hieß, die Tatwaffe wurde in einer Spelunke im Schmuddelviertel der Stadt gekauft, machten sich Reporter auf den Weg dorthin. Heute gehen wir ins Darknet. Der Unterschied: Wie so eine Spelunke aussieht und wo das Schmuddelviertel ist, davon hatten unsere Leser einigermaßen eine Vorstellung. Aber wissen Sie, wie es in diesem Darknet aussieht? Wahrscheinlich nicht.

Also, ich war da. Und wenn Sie wollen, können Sie das auch. Wie im Schmuddelviertel gilt: Verhalten Sie sich unauffällig, und benutzen Sie gesunden Menschenverstand. Tun Sie nichts Illegales!

Ein Kokain-Händler im Darknet, mit Bewertungen wie bei Amazon.

Ein Kokain-Händler im Darknet, mit Bewertungen wie bei Amazon.

 

Wie kommen Sie dorthin? Das können Sie ergooglen. Die Technik heißt Tor-Netzwerk, eine der Spelunken AlphaBay Market. Sie brauchen einen Tor-Browser, auf dem Smartphone heißt der Orfox, die Verschlüsselungs-App Orbot. Hidden Wiki hilft bei der Orientierung. Warum ich Ihnen das so freimütig erzähle? Weil das jeder Zwölfjährige in zehn Minuten selbst herausfindet.

Sie sind dann im Schankraum der Spelunke. Da, wo im Zweifel der Polizist als Gangster verkleidet herumlungert und nachschaut, wer ihm auf den Leim geht.

Interessant sind Hinterzimmer, Keller, Geheimgänge. Hier tummeln sich nicht nur Pornographen und Waffenhändler, sondern Dissidenten, investigative Journalisten oder Whistleblower. Hier lässt sich der Zugang nicht ergooglen, hier sind manchmal nur wenige Menschen über Wege verbunden, die außer ihnen niemand kennt.

Sie wirbt netzpolitik.org für die legale Nutzung des Darknet.

So wirbt netzpolitik.org für die legale Nutzung des Darknet.

Foto: Screenshot netzpolitik.org
 

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil aus meiner Sicht die Debatte nach München von manchen Politikern bewusst schräg gedreht wird: Darknet gleich kriminell.

Aber sicherlich haben Sie sich schon einmal mit jemand treffen wollen, ohne kriminelle Absichten, aber auch ohne dass gleich die ganze Stadt davon erfährt. Dafür würden Sie sich ja auch nicht per Postkarte auf dem Marktplatz verabreden. Und jetzt stellen Sie sich das in einer Diktatur vor.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 16:29 Uhr

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