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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 19:44 Uhr

Facebook und Co. : Vorsicht bei Kinderfotos im Netz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eltern veröffentlichen Fotos ihrer Kinder auf Facebook und missachten damit deren Privatsphäre. Experten warnen vor Pädophilen.

Kiel | Bekleckert mit Tomatensoße oder nackt badend im Planschbecken: Viele Eltern veröffentlichen vermeintlich lustige Fotos oder Videos ihrer Liebsten in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Youtube. Doch Experten warnen: Dabei beachten sie nicht die Folgen, die für das Kind entstehen können.

Zu ihnen gehört die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes, Irene Johns. „Der Schutz der Privatsphäre von Kindern wird im Internet stark unterschätzt. Eine Foto in einem Brief an die Oma ist etwas ganz anderes als ein Foto auf Facebook“, sagt sie besorgt. Wer ein Bild von seinen Kindern auf Facebook veröffentlicht, macht es einem großen Kreis zugänglich. Eine repräsentative Studie von Wolfram Research zeigte im vergangenen Jahr, dass der durchschnittliche Facebook-Nutzer 342 Kontakte hat. Doch Kinderfotos können noch einem viel größerem Kreis zugänglich sein, wenn Eltern nicht entsprechende Vorkehrungen in den Privatsphäre-Einstellungen treffen. Dann können diese Fotos in die falschen Hände geraten. „Vom Landeskriminalamt und durch unsere Zusammenarbeit mit Therapeuten wissen wir, dass sich pädophil veranlagte Menschen an diesem frei zugängigen Fotomaterial bedienen“, warnt die Kinderschützerin.

Ein anderes großes Problem sind Bilder, die die Schamgrenzen überschreiten. Fotos, die für Erwachsene harmlos erscheinen, können für Kinder peinlich werden. „Ein vierjähriges Kind wird sein Foto auch in zehn Jahren noch sehen“, so Johns. Dann könne es schnell dem Sohn oder der Tochter in Form von Cybermobbing zum Verhängnis werden. „Kinder sind nicht auf der Welt, damit wir uns über sie amüsieren können. Sie haben eine eigene Würde und ein Recht auf Privatsphäre“, mahnt Irene Johns.

Zustimmung findet die Landesvorsitzende des Kinderschutzbundes bei Stefan Freise. Der Familienvater aus Paderborn ist der Gründer der Facebook-Initiative „Keine Kinderfotos im Social Web“. Die Seite verzeichnet über 4500 „Gefällt mir“-Angaben. „Viele Eltern verwechseln ihre eigenen Bedürfnisse mit denen ihres Kindes“, so Freise. Ein Kind habe nichts davon, wenn in sozialen Netzwerken solche Fotos erscheinen. „Viele Eltern wollen Aufmerksamkeit für die eigene Person erzeugen. Und das geht mit süßen Kinderfotos sehr gut“, erklärt der Inhaber einer Internet-Agentur. Für Stefan Freise ist das aber eine Form des Missbrauchs und ein Eingriff in die Selbstbestimmung des Kindes.

Die Warnung vor Pädophilen hält er für sein Anliegen für nicht zielführend: „Sie erweckt den Eindruck, dass Fotos, die nicht sexualisiert sind, auf Facebook kein Problem darstellen. Aber auch diese Fotos von Kindern gehören nicht in soziale Netzwerke.“ Eltern würden sogar ganze Blogs über ihre Kinder im Internet führen. „Stellen Sie sich einmal vor, Ihre Eltern hätten ein öffentliches Tagebuch über Sie geführt“, fragt Freise. Das werde spätestens in der Pubertät zum Problem. Beim Hochladen von Kinderfotos im Internet sollten Eltern seiner Meinung nach immer daran denken, dass ihre Kinder das vielleicht gar nicht wollen.

Juristische Einschätzung

Juristisch gesehen haben Eltern minderjähriger Kinder freie Hand beim Veröffentlichen von Fotos im Internet, erklärt der Kieler Rechtsanwalt Stephan Dirks. „Die Eltern vertreten das Kind“, so der Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht. Kinder können sich auf diesem Weg also nicht gegen eine solche Veröffentlichung wehren. Problematisch werde es, wenn Kinder anderer Eltern auf den Bildern zu sehen sind. Auch hier müssen die Erziehungsberechtigten um Erlaubnis gebeten werden, andernfalls können Abmahnungen drohen. Sind Vater und Mutter geschieden, entscheidet das Elternteil mit dem Sorgerecht. „Ist dieses gleich verteilt, wird im Zweifel gegen eine Veröffentlichung entschieden“, erklärt Stephan Dirks.

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erstellt am 25.Jul.2014 | 05:00 Uhr

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