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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 15:29 Uhr

Fietzes Netzwelt : Voneinander lernen – Schulen setzen auf „Peer to peer“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wer kann Jugendlichen besser helfen, als Gleichaltrige? Und auch die Schulen profitieren davon.

„p2p“ schwappt übers Land – Jugendliche reden mit Jüngeren. Medienlotsen, -scouts, -mentoren strömen in die Klassenräume und krempeln die Ärmel hoch: Packen wir doch mal die großen Baustellen junger Mediennutzer an – wir sind jung, brauchen Medien fast wie die Luft zum Atmen und wissen, wo bei Kids der Smartphone-Schuh drückt. „Peer to peer“ (p2p) meint: Geschulte Jugendliche beraten die Kleineren im Mediendschungel.

Bitte nicht falsch verstehen: Lehrer haben’s voll drauf – sie motivieren für schwere Lerninhalte, haben Methoden für komplizierte Chemieformeln, moderieren Gruppendiskussionen, ermutigen zu Medienreferaten… der Schulmeister hat ausgedient, moderne Lehrkräfte machen modernen Unterricht.

Aber im Alltag der jungen und jüngsten Mediennutzer herrschen andere Regeln: Da liegen Freud (Whatsapp, Snapchat, Instragam…) und Leid oft nah beieinander. Abzocke, Anmache, „Hatespeech“, Datenschutzprobleme, gewalthaltige Inhalte, eckige Augen im Hochkantformat… Fünftklässler zählen ganz spontan die Sorgenfalten der Eltern auch als ihre eigenen auf. Damit umzugehen lernt man kaum im Fachunterricht, das kann kein einzelner Schulsozialarbeiter bedienen.

„Peer to peer“ kann eine erste Lösung sein: Die 15-Jährigen sind näher dran an der Nutzung neuester Medientrends, sie haben die „Risikokompetenz“ und die jugendliche Ansprache. Sie gestalten Schulstunden für Zehnjährige, Medienparcours mit Lernstationen und ganze Medientage für die unteren Klassenstufen. Nach reiflicher Vorbereitung, viel Erprobung, angeleiteter Vorplanung klappt das wunderbar. Die Lehrer freut’s, sie legen – so die frische Rückmeldung auch von einer Fachtagung im Kreis Stormarn – den Grundstein für die Weiterarbeit im Stundenplan. Und manches Mal kommt heimlich ein studierter Erwachsener mit Konfigurationsproblemen bei der Messengereinrichtung auch zur Beratung vorbei. Nicht für die Schule lernt ihr… aber die Schule gerne von euch.

> Der Autor Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel.

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