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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 17:43 Uhr

Dreyklufts Netzwelt : Von Counterstrike bis Darknet: Wenn alte Muster aufweichen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Debatte nach dem Amoklauf in München zeigt: Übliche Verdächtige haben diesmal keine Chance.

In Fällen größerer, oft auch unfassbarer Kriminalität gibt es ein altbekanntes Phänomen: Es werden die üblichen Verdächtigen benannt und ein „Verbot“ gefordert oder wenigstens mehr Kontrolle. Im Fall der Morde von München gab es einen klaren üblichen Verdächtigen: Baller- und Killerspiele. Ali David Sonboly spielte „Counter-Strike“, das wohl berühmteste Killerspiel der Welt. Dazu kam dann noch dieses ominöse „Darknet“, in dem er die Tatwaffe, eine Glock 17, kaufte.

Ich bin einigermaßen erleichtert und auch ein wenig stolz über den demokratischen Diskurs in dieser Gesellschaft, dass dieses Mal der so einfach wie dumme Verbots-Reflex ins Leere lief.

Nach Winnenden schien mir schon so eine Art Grundkonsens zu herrschen, dass man einen Amoklauf nicht mit einem Spiel erklären kann, das seit 15 Jahren Millionen von Jugendlichen gespielt haben. Dennoch gab es damals eine größere Counter-Strike-Diskussion, die dieses Mal schnell im Keim erstickte. Selbst Innenminister Thomas de Maizière merkte, dass eine Verbotsdiskussion zu nichts führt und erklärte sie für „nicht sinnvoll“. Eine sehr positive Rolle spielte bei der öffentlichen Meinungsfindung Lars Riesner von der Kieler Christian-Albrechts-Universität.

Ähnlich war es beim Darknet. Eine Million Deutsche treiben Illegales in den dunklen Zonen des Internets: Diese Falschmeldung eines BKA-Beamten war schnell wieder aus der Welt. Tatsächlich berichtete das Bundeskriminalamt anschließend die Zahl von 85 Verdächtigen wegen möglicher Gesetzesverstöße im Darknet. Und BKA-Chef Holger Münch musste einräumen, dass das Darknet zur Meinungsäußerung politisch Verfolgter wichtig sei.

Wichtig war hier vor allem das schnelle Handeln des Chaos Computer Club, der den Darknet-Mythen Fakten entgegensetzte.

Fazit: Wir leben in einem Land, in dem auch in angespannter Atmosphäre differenzierte Diskussionen über komplizierte Themen möglich sind. Wunderbar.

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erstellt am 02.Aug.2016 | 18:49 Uhr

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