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Netzwelt

09. Dezember 2016 | 06:52 Uhr

Nordens Netzwelt : Videos aus Syrien: Teilen ist besser als schweigen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bilder und Nachrichten aus Syrien sind schockierend. Trotzdem darf man nicht wegsehen.

Ayas Gesicht ist blutüberströmt. Sie weint und versteht die Welt nicht mehr. Herzzereißend ruft sie nach ihrem Papa. Am liebsten würde ich sie in den Arm nehmen und trösten - doch die Achtjährige lebt 4000 Kilometer entfernt von mir in Syrien. Bei einem Luftangriff wurde das Haus ihrer Familie in Talbisa zerstört. Kennengelernt habe ich sie trotzdem. Denn das Video von ihr geht mittlerweile um die Welt und hat es auch in meine Facebook-Timeline geschafft.

Für einen Augenblick holt mich der Schrecken des Syrien-Krieges ein. Zerstörung. Trauer. Absolute Hoffnungslosigkeit auf eine friedliche Zukunft. Schrecklich und trotzdem teile ich später ein Katzen-Video - und nicht das Video der kleinen Aya.

Das bringt doch eh nichts. Diese Bilder kennen wir doch schon. Erst war es Aylan, dann Omran, jetzt Aya.

Der fünfjährige Omran war durch Aufnahmen bekannt geworden, die ihn nach einem Luftangriff in einem Rettungswagen zeigen.
Der fünfjährige Omran war durch Aufnahmen bekannt geworden, die ihn nach einem Luftangriff in einem Rettungswagen zeigen. Foto: ALEPPO MEDIA CENTER
 
Ein kleiner syrischer Junge stirbt auf der gefährlichen Reise in ein sicheres Leben.
Aylan: Der syrische Junge starb auf der gefährlichen Reise in ein vermeintlich sicheres Leben. Foto: dpa

Die Bilder aus Syrien haben uns doch schon längst abgestumpft. Wenn ich Ayas Video verbreite, trocknet das ihre Tränen auch nicht. Und Assad bringt es bestimmt erst Recht nicht zum Umdenken. Also lieber Cat-Content. Friede, Freude, Eierkuchen.

Ist das nicht total bescheuert? Diese Gedanken sind mit mittlerweile wirklich peinlich. Denn wir machen uns unser Leben damit viel zu einfach! Natürlich sollten wir Videos wie das von Aya teilen.

Wenn wir diese Bilder schrecklich finden, sollten wir sie teilen. Angesichts der weltweiten Konflikte mögen wir uns ohnmächtig und hilflos fühlen. Doch mit dem Drücken des „Teilen-Buttons“ können wir etwas erreichen. Wir müssen eben die Mittel nutzen, die uns zur Verfügung stehen. Bis alle unsere Freunde und deren Freunde sie gesehen haben. Bis sie überall sind und sich diejenigen, die die wirkliche Macht haben, nicht mehr die Hände in den Schoß legen können. Das Teilen dieser schrecklichen Bilder ist doch das Mindeste, was wir leisten können. Schaden kann es jedenfalls nicht.

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erstellt am 14.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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