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Netzwelt

03. Dezember 2016 | 18:45 Uhr

DDoS-Attacke gegen Kachelmannwetter : Unbekannte legen Wetterkanal von Jörg Kachelmann lahm

vom

Erst am Mittwoch kritisierte Kachelmann einige Medien und Meteorologen als Vollpfosten, weil sie für Donnerstag vor Tornados warnten. Donnerstagabend wurden die Webseiten des Meteorologen attackiert und waren offline.

Nach zahlreichen Tornado-Warnungen in den Medien und vorhergesagten Gewittern mit Unwetterpotential informierten sich am Donnerstagabend zahlreiche Bürger auf Wetterplattformen über die aktuelle Gefahrenlage. Vorne mit dabei auch „Kachelmannwetter“, das Angebot von Meteorologe Jörg Kachelmann. Über die Webseite, Facebook (69.000 Fans) und den Twitterkanal (27.000 Follower) informiert das Team um den Schweizer aktuell über die Wetterlage – bis am späten Abend plötzlich die Meldung kam, dass nichts mehr geht.

Unbekannte starteten eine DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service, deutsch: „Dienstblockade“) gegen die Server von Kachelmannwetter. DDoS-Attacken legen Webserver oder ganze Netzwerke regelrecht lahm. Bei so einem Angriff attackieren mehrere Computer im Verbund eine einzelne Webseite oder eine ganze Netzinfrastruktur an. Dies kann sehr schnell zum Ausfall der Server führen. So geschehen auch bei Kachelmannwetter. Nur: Wer hat das Interesse, eine Wetterseite lahmzulegen?

 

Kachelmann schließt auf Anfrage von shz.de aus, dass es sich bei dem Angriff um einen Erpresserversuch aus Fernost handelte. „Es wurden spezifisch Seiten aus unserer Firmenfamilie angegriffen“, sagt der 58-Jährige. „Wir vermuten einen Auftraggeber aus Deutschland.“ Solche Attacken könne man für ein paar Euro kaufen oder als Fachkundiger selbst programmieren. In der Tat werden die sogenannten Denial-of-Service-Attacken mittlerweile von Cyber-Kriminellen zum Verkauf angeboten, etwa um Konkurrenten zu schädigen, wie die Fachseite „Securelist“ schon 2009 berichtete.

Erst am Mittwoch kritisierte Kachelmann zahlreiche Medien und das Institut für Wetter- und Klimaforschung (IWK) für eine Tornado-Vorhersage, sprach von Vollpfostenmeteorologie und Panikmache. Auch der Deutsche Wetterdienst kritisierte die verfrühten Tornadowarnungen als unseriös. Das IWK hatte für spezifische Landkreise eine Warnung für den Donnerstag herausgegeben. So weit im Voraus ist eine lokale Warnung jedoch unmöglich. Könnte die Kritik also Auslöser für die Attacke gewesen sein?

 

Darüber lässt sich vermutlich nur spekulieren. „Es gibt viel Elend bei Mitbewerbern, auf das wir hinweisen. Dazu gehören auch die grotesken Tornado-Warnungen, die den Kurorten an der Küste sehr geschadet haben“, sagt Kachelmann. Er hoffe dass sich Kurorte irgendwann mal dagegen wehren, dass für ein paar Klicks mutwillig völliger Schwachsinn verbreitet werde. „Diese Warnungen waren ohne reale Basis.“ Die Nordsee Tourismus GmbH konnte für Schleswig-Holstein weder belegen noch dementieren, ob es weniger Tagesgäste gab.

Auf den Seiten des Meteorologen werden nun zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt, damit künftige Attacken besser abgewehrt werden können. „Uns ist jede Attacke zu viel, weshalb wir die Strafverfolgungsbehörden in den USA bitten zu ermitteln.“ Denn auch die amerikanische Wetterseite „weather.us“ gehört zum Unternehmen und war am Donnerstag Ziel der Attacken.

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erstellt am 22.Jul.2016 | 13:18 Uhr

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