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Netzwelt

04. Dezember 2016 | 05:01 Uhr

Maas’ Netzwelt : Überwachung per Wearable

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erst tracken wir unsere Schritte und Herzfrequenz, dann die Produktivität bei der Arbeit.

Wearables sind so schön praktisch. Die Fitnessarmbänder, Smartwatches und Clips zählen Schritte. Sie messen die Herzfrequenz. Sie wachen über den Schlaf. Fitness, Wohlbefinden, Effizienz: Diese Werte sind gerade gesellschaftlich angesagt. Dahinter steckt oft der Wunsch, Kontrolle über das eigene Leben zu haben, diszipliniert zu sein – und bitte auch endlich glücklich. Nur: Wenn wir unser ganzes Leben tracken, wo verläuft dann die Grenze zwischen Effizienz und Leistungswahn?

Diese Frage ist nicht neu, aber sie bekommt gerade eine neue Qualität. Wearables erreichen das Arbeitsleben – in Großbritannien und den USA. Bei der britischen Supermarktkette Tesco, zählt ein Sensor beim Regale einräumen mit und hilft so bei der Inventur, berichtet die „Washington Post“. Und bei Amazon werden Mitarbeiter, die Waren zusammensuchen, per GPS auf der kürzesten Route durchs Lager geschickt. Wearables sind so schön praktisch.

Dummerweise ist das nur der Anfang. Was US-Unternehmen noch dieses Jahr laut einer Studie tracken wollen: das Zeitmanagement ihrer Mitarbeiter und die Kommunikation zwischen den Abteilungen. Wenn Sie jetzt etwas bang an Ihre Zigarettenpause, Ihren Teeküchenplausch und den (natürlich nur ganz kurzen) Blick in ihren Whatsapp-Chatverlauf denken, ist selbst das noch nicht das Ende. Denn Ihre Gesundheitsdaten sind ja schließlich auch noch messbar und für den Arbeitgeber einsehbar. Die Privatsphäre schrumpft.

Sie wollen Hoffnung? Eine Utopie: Die Wearable-Überwachung ist nur ein Übergang, irgendwann werden diese Jobs ganz von Robotern übernommen. Und dann sind Menschen wieder frei – denn sie erledigen nur noch Arbeit, die sich schwer quantitativ messen lässt, weil sie Kreativität oder Empathie erfordert. Natürlich lässt sich tracken, wie lange ein Pfleger mit einem Schwerkranken freundlich spricht. Es ergibt nur keinen Sinn. Für diese Erkenntnis braucht man keine Roboter – können wir ohne Umwege dorthin?

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erstellt am 08.Aug.2016 | 18:42 Uhr

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