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Netzwelt

09. Dezember 2016 | 16:33 Uhr

Illegale Uploads durch Filesharing : Tipps und Tricks: So sichern Sie Ihr heimisches WLAN

vom
Aus der Onlineredaktion

Wer sein Funknetz nicht richtig absichert, geht hohes Risiko ein. shz.de erklärt, wie Sie Ihr Wlan zur Festung ausbauen.

Es ist fast schon eine Selbst­verständlich­keit: Kommen Freunde zu Besuch, über­lässt ein guter Gast­geber ihnen ohne zu Zögern das WLAN-Pass­wort. Doch was passiert eigentlich, wenn einer der Gäste dann illegal Film- oder Musik-Dateien aus dem Internet lädt? Haftet dafür der Anschluss­inhaber, der sein Pass­wort so vertrauens­voll anderen überlassen hat? Mit dieser Frage beschäftigt sich am Donnerstag erneut der Bundes­gerichts­hof (BGH) in Karlsruhe.

Fakt ist: Kaum ein Aspekt im Bereich des Verbraucherrechts stellt sich – was die Anzahl und Verschiedenartigkeit der Rechtsprobleme angeht – so vielfältig dar wie das Thema Filesharing.

Hintergrund: Mehr Rechtssicherheit für WLAN-Betreiber

Erst im Mai stellte der BGH sich im Streit um illegale Uploads auf die Seite des Anschlussinhabers. In mehreren Fällen mit Haftungsfragen bei Urheberrechtsverletzungen durch Filesharing entschied das oberste deutsche Gericht, dass Anschlussinhaber nicht automatisch dafür haften, wenn Gäste illegal Filme, Spiele oder Musik hochladen.

Das BGH-Urteil löste eine politische Debatte aus, in der sich die Bundesregierung auf neue Regeln zur Haftung bei offenen WLANs einigte. Das neue Gesetz sollte die sogenannte Störerhaftung aufheben und trat bereits im Juli in Kraft – doch die eigentliche Abschaffung der Störerhaftung schaffte es gar nicht erst in den Gesetzestext. In der Begründung findet sich lediglich der Hinweis, dass der Gesetzgeber es gern sähe, dass WLAN-Betreiber nicht mehr für Rechtsverstöße Dritter abgemahnt und auf Unterlassung in Anspruch genommen werden können.

Grüne und Linke hatten im Vorfeld daher gegen den Gesetzentwurf gestimmt, weil sie die Störerhaftung nicht beseitigt sahen. Die Entscheidung sei lediglich auf die Gerichte abgewälzt worden, da wesentliche „Knackpunkte“ offen blieben, kritisierte auch der Verein Digitale Gesellschaft. Urheberrechtskanzleien hatten bereits ankündigt, auch weiterhin Anbieter von offenem WLAN abmahnen zu wollen.

Im September fällte der Europäische Gerichtshof (EuGH) schließlich ein richtungsweisendes Urteil zur Störerhaftung: Urheberrechtsinhaber haben bei geschäftlichen Anbietern von kostenlosem öffentlichen WLAN nicht notwendigerweise Anspruch auf Schadensersatz, wenn in deren Netz von jemand anderem eine Urheberrechtsverletzung begangen worden ist.

Der EuGH urteilte weiterhin, dass von einem WLAN-Betreiber bei Verdacht auf Urheberrechtsverletzung verlangt werden kann, seinen Anschluss durch ein Passwort zu sichern.

Immer wieder sieht sich die Justiz mit Fällen von illegalen Down- und Uploads in fremden Netzwerken konfrontiert. Erst kürzlich führten Gesetzesänderungen und gerichtliche Urteile dazu, dass Anschlussinhaber, die ihre Zugangs­daten Dritten über­lassen, nicht mehr so leicht in Haftung genommen werden können. Dennoch sollten sie nicht leicht­fertig mit den Pass­wörtern umgehen, da eine Haftung für die Taten anderer weiterhin möglich bleibt.

Wer also zu Hause oder geschäftlich einen WLAN-Router betreibt, sollte das WLAN-Signal in jedem Fall verschlüsseln – bei unverschlüsselten Netzen besteht nicht nur die Gefahr, dass Fremde illegale Inhalte über den DSL-Anschluss verbreiten, sondern auch, dass Daten aus dem Heimnetzwerk ausgelesen werden.

shz.de erklärt, wie Sie Ihren Router absichern und was Sie beim Passwort beachten müssen.

Einstellungen nur mit Kabelverbindung

Durch eine Kabelverbindung kann es nicht passieren, dass Sie sich durch eine falsche Einstellung im Funknetz selbst aussperren.
Durch eine Kabelverbindung kann es nicht passieren, dass Sie sich durch eine falsche Einstellung im Funknetz selbst aussperren. Foto: Andrea Warnecke

Wichtig ist zunächst, das Wlan per Kabel und nicht per Funk zu konfigurieren. Die notwendigen Einstellungen nehmen Sie über die Benutzeroberfläche des Routers vor. Diese erreichen Sie unter einer bestimmten Adresse, die im Handbuch des Routers zu finden ist, mit Ihrem Web-Browser.

Doch auch die besten Sicherheitseinstellungen bringen nichts, wenn jedermann ungehindert Zugriff auf die Router-Menüs hat. Für den Zugang zur Konfigurationsoberfläche sollten Sie daher unbedingt ein Passwort vergeben und die Konfiguration per Fernzugriff und via Funk deaktivieren. Selbst wenn jemand den Weg in Ihr WLAN-Netz findet, kann er so keine Router-Einstellungen ändern.

Namen des Funknetzwerks (SSID) ändern

Die SSID (Service Set Identifier) ist der voreingestellte Name für ein drahtloses Netzwerk.
Die SSID (Service Set Identifier) ist der voreingestellte Name für ein drahtloses Netzwerk. Foto: Arno Burgi

Ob unterwegs, zuhause oder im Büro: Immer wieder stößt man auf ganz besonders kreativ benannte WLAN-Netzwerke – und das meist nicht ohne ernsten Hintergrund. Nach der sachgemäßen Konfiguration trägt Ihr drahtloses Netzwerk eine Kennung (SSID) wie etwa „Fritz!Box FON WLAN 7270“, die Sie spätestens bei der ersten Inbetriebnahme ändern sollten.

Wozu der Aufwand? Es gab bereits Fälle, bei denen die vom Hersteller voreingestellte SSID Rückschlüsse auf das werksseitige Passwort zuließ. Vergeben Sie daher einen Namen, der das drahtlose Netzwerk nicht direkt mit Ihnen in Verbindung bringt. Ein weiterer Vorteil der Umbenennung: Außenstehende sehen nicht sofort, welchen Router Sie verwenden.

Verschlüsselung mit WPA2

Sicher ins Netz: Wichtig ist, dass die Übertragung von Daten im WLAN verschlüsselt werden.
Sicher ins Netz: Wichtig ist, dass die Übertragung von Daten im WLAN verschlüsselt werden. Foto: Franziska Gabbert

Die Möglichkeit, Ihr Netzwerk zu verschlüsseln und damit die Übertragung von Daten zu verhindern, finden Sie ebenfalls in den Einstellungen für das drahtlose Netzwerk des Routers. Das unsichere Verschlüsselungsprotokoll WEP ist mittlerweile von WPA und WPA2 abgelöst worden. Heute ist WPA2, der Nachfolger von WPA, die Standard-Sicherungsmethode im Wlan. Ist das Netzwerk verschlüsselt, kann es nur noch nach Eingabe eines Passworts genutzt werden.

Übrigens: Der Router ist nicht nur Zugang zum Internet, er ist auch Zugang zum lokalen Netzwerk und zu privaten Daten auf verbundenen Geräten. Wer den Router also nicht absichert, lässt die Tür zum Netzwerk weit offen stehen. Dritte könnten so private Daten stehlen.

Sichere Passwörter wählen

Neben der richtigen Verschlüsselung ebenfalls wichtig: Ein möglich komplexes Passwort.
Neben der richtigen Verschlüsselung ebenfalls wichtig: Ein möglich komplexes Passwort. Foto: Franziska Gabbert

Auch die sicherste Verschlüsselungsmethode kann leicht ausgehebelt werden, wenn der Nutzer ein leicht zu erratendes Passwort einsetzt. Bei WPA2 können Passphrasen zwischen 8 und 63 Zeichen lang sein, als Mindestwert für ein sicheres Passwort empfiehlt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) 20 Stellen.

Keinesfalls sollten Passwörter aus sinnvollen und beliebten Zeichen- oder Ziffernkombinationen (1234, Geburtsdatum o.ä.) bestehen. Wählen Sie stattdessen eine möglichst unberechenbare, zufällige Folge aus Zeichen und Sonderzeichen. Das auf dem Router aufgedruckte Kennwort ist entgegen dem Anschein nach nicht sicher. Diese Zeichenfolgen werden häufig auch für mehrere Geräte gleichzeitig vergeben.

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erstellt am 24.Nov.2016 | 09:43 Uhr

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