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Netzwelt

02. Dezember 2016 | 21:16 Uhr

Spiel-Test : „The Tomorrow Childen“: Schuften für den großen Bruder

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Aufbaustrategie-Abenteuer „The Tomorrow Childen“ schuftet der Spieler für den Aufbau von Städten.

Der Mensch wird von einer unbekannten Macht in die Welt geworfen, sein Wille interessiert nicht, das ganze Dasein offenbart sich als dauernde Last. Ungefähr so beschreibt der Philosoph Martin Heidegger das Leben, und in diesem Sinne ist die Inszenierung des Lebens im Videospiel „The Tomorrow Childen“ eine gelungene. Der Spieler steuert eine weibliche Holzpuppe durch eine Void genannte Leere, wo die Puppe im Auftrag eines großen Bruders Stein, Holz, Metall und andere Rohstoffe abbaut und beim Aufbau von Städten hilft.

Über die Hintergründe dieser Welt erfährt man nur so viel, dass ein Experiment der Sowjetunion des mittleren 20. Jahrhunderts die Welt vernichtete und die Menschen in Holzpuppen verwandelte. In altmodischen Fernsehern meldet sich eine kantige, russisch sprechende Holzpuppe zu Wort und erteilt der Protagonistin Befehle. Das Abbauen von Holz und Gestein erfolgt ähnlich wie im großen Vorbild „Minecraft“: Der Spieler lotst seine Spielfigur zum Rohstoff, wo sie automatisch buddelt und sägt, um die Güter zum Lagerplatz in der aktuellen Stadt zu tragen.

Leider fasst das Inventar nur drei Einheiten, und es gibt deutlich weniger Werkzeug als in Minecraft. Die Busse, die zur Abbaustelle fahren, halten sich streng an einen Fahrplan, was langweilige Warterei zur Folge hat. Mitunter muss man kämpfen, doch die Gegner verhalten sich meist dumm, das Ganze wirkt sinnlos. Ebenso zweifelhaft ist der Nutzen des Städtebaus. Kaum hat man ein Ziel erreicht und etwa Häuser für 500 Bewohner errichtet, wird man zum nächsten Stadtbau-Projekt transportiert. Dabei gibt es nur wenig Kontakt zu anderen Spielern, obwohl das Spiel ständig mit dem Online-Server verbunden ist. Während des Tests kam es zu einigen Verbindungsabbrüchen, was Zeit und Nerven kostete.

Das historische Sowjet-Design verleiht dem Spiel eine melancholische Stimmung, die zum Thema des Mangels und des stumpfen Arbeitens passt. Allerdings ist „The Tomorrow Children“ im Kern ein konsumistisches Produkt, das nur oberflächlich auf die Planwirtschaft verweist. Um sich die Arbeit zu erleichtert, kann der Spieler echtes Geld ausgeben, etwa für einen weiteren Inventarplatz. Dieses Free-to-Play-Konzept konterkariert den Sinn des ganzen Tuns: Warum soll ich Geld ausgeben für mühselige Plackerei?
 

> The Tomorrow Childen von Sony; für PS4; gratis; ab 12 Jahren; englisch/russisch

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