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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 21:45 Uhr

Vorschläge der Suchmaschine : Suggester – So denkt Google über SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ist Pinneberg tatsächlich so unheimlich, wie Google suggeriert? Die Autovervollständigung der Suche liefert teils skurrile Ergebnisse für Orte in SH.

„Flensburg ist wie Payback – ab 18 Punkten gibt’s ein Fahrrad“ – dieser Satz stammt nicht etwa von einem Lauschangriff auf ein Gespräch unter Jugendlichen, die einander mit mehr oder weniger coolen Sprüchen übertrumpfen wollen. Er kommt von einer Maschine. Genauer gesagt ist dies die erste Auswahlmöglichkeit, die Googles Algorithmus Nutzern der Suchmaschine vorgibt, die die Worte „Flensburg ist“ in das Suchfenster eingeben. Lässt der Nutzer sich auf diesen technisch generierten Vorschlag ein und ruft die Ergebnisse auf, findet er den Spruch auf T-Shirts gedruckt, als Aufkleber für das Auto oder Links auf Webseiten mit weiteren witzigen Sprüchen. Aus Rücksicht auf die Bußgeldreform im Jahr 2014 gibt es diesen Vorschlag auch mit dem Führerscheinentzug bei 8 statt 18 Punkten.

Dabei bewertet der Google-Algorithmus seine automatischen Vorschläge nicht danach, wie cool oder lustig sie klingen und wie gut sie sich auf einem Kleidungsstück machen. Laut Google arbeitet die Software mit objektiven Faktoren. Unter anderem werde berücksichtigt, wie oft Nutzer in der Vergangenheit einen Begriff gesucht haben. Auch aktuelle Suchtrends werden einbezogen. Möchten Nutzer weitgehend neutrale Vorschläge erhalten, empfiehlt es sich, die Suche in einem privaten Browserfenster zu starten. Der Google-Algorithmus sei „darauf ausgelegt, die Vielfalt der im Web verfügbaren Informationen zu erfassen“, erklärt das Unternehmen auf seiner Webseite. „Deshalb können die angezeigten Suchbegriffe manchmal merkwürdig oder erstaunlich wirken.“

In die Kategorie erstaunlich könnte „Pinneberg ist ein unheimlicher Ort“ fallen. Dabei hat diese automatische Vervollständigung einen ernsten Hintergrund: In den Suchergebnissen finden sich Verweise auf Berichte über gelöste Schrauben an Autoreifen und angezündete Autos. Wenn es nach Google geht, ist Pinneberg außerdem ein schlechtes Pflaster für Radfahrer. Die Städte südlich des Nord-Ostsee-Kanals (Google bietet Eckdaten wie Länge, Tiefe des Kanals oder Hinweise zu den Fähren) kommen durchweg nicht so gut davon: Der Vorschlag „Kiel ist hässlich“ liegt in der Liste deutlich vor „Kiel ist schön“. Allerdings räumt der Kreis Stormarn ein paar Lorbeeren ab. Zum Beispiel ist es der „Wohlfühl-Kreis im Norden“, außerdem schuldenfrei und steht beim Thema Windkraft gut da. Diese Verschlagwortung beruht auf Presseberichten.

Dank eines Internettrends aus dem Jahr 2014 stehen auch die Städte Schleswig und Husum bei Google ziemlich „happy“ da – zu Pharrell Williams’ gleichnamigem Gute-Laune-Lied tanzten sich die Bürger durchs Stadtbild und hielten dies in Videos fest. Doch über Husum gibt es noch mehr zu erfahren, beispielsweise dass die nordfriesische Stadt keine Insel ist.

Schleswig-Holsteins Inseln scheinen beim Suchgiganten allerdings allesamt einen Stein im Brett zu haben: Föhr ist „cool“. Amrum ist „schön“, aber „teuer“ (und keine Hallig, wie Google nach ein paar Klicks durch die angezeigten Suchergebnisse aufklärt). Sylt allerdings wird auch kritisch gesehen: Neben „Sylt ist toll“ zeigt Google auch diese These an: „Sylt ist out“. An zweiter Stelle der Suchergebnisse aber besänftigt eine Liebeserklärung in einem Youtube-Video mit dem Titel „Diese eine Liebe wird nie zuende gehen“ – ausgeliehen von der musikalischen Hommage der Band „Die Ärzte“ an den Sylter Ortsteil Westerland.

Nicht immer aber lässt sich der Frieden so schnell wiederherstellen: Richtig Ärger bekam Google wegen seiner Vorschläge auch schon – zum Beispiel im Fall von Bettina Wulff, der Ex-und-dann-wieder-Partnerin und Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Im Jahr 2015 entfernte der Online-Gigant, nachdem man sich mit der 42-Jährigen außergerichtlich geeinigt hatte, insgesamt 43 Vorschläge, darunter die Vervollständigungen „Rotlichtvergangenheit“, „Escort“ oder „Prostituierte“, aus der automatischen Vervollständigung. Der Bundesgerichtshof hatte 2013 entschieden, dass Google Vorschläge entfernen muss, wenn damit Persönlichkeitsrechte verletzt werden.

Doch Klischees, witzige Sprüche, Komplimente oder kleine Gemeinheiten werden es wohl weiterhin in diese Funktion schaffen – auch wenn der ein oder andere lokalpatriotische Schleswig-Holsteiner die von Google vorgeschlagene Frage „Ist Niedersachsen Norddeutschland“ wohl nur mit einem Kopfschütteln quittieren würde. Wenn Google Schleswig-Holsteiner wäre, würde es diese Autovervollständigung wohl freiwillig entfernen.

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erstellt am 05.Sep.2016 | 12:10 Uhr

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