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Dirks’ Netzwelt : #Stockholm und die Gerüchteküche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Panik und Fake News verbreiten sich schnell. Die sozialen Medien sind dabei nicht das eigentliche Problem, meint unser Autor.

Jetzt also „#Stockholm“. Wie sich die Bilder gleichen: Fliehende Menschen, schwerbewaffnete Polizisten, über allem die Angst, dass es das noch nicht gewesen sein muss. Sofort Gerüchte: an verschiedenen Stellen in der Stadt wollen Menschen Schüsse gehört haben. Zeugen sehen einen, zwei oder mehr Täter. Der Nachrichtenzyklus scheint bei jedem neuen Anschlag ähnlich zu verlaufen. Erste Bilder in den sozialen Medien, dann Theorien, dann verzweifelte Aufrufe von Behörden, keine Gerüchte zu verbreiten, die unter der Flut von Halbwahrheiten, Gerüchten und absichtlicher Panikmache weggespült werden.

Unter anderem diese Dynamik soll das „NetzDG“ in den Griff bekommen helfen, das Kolumnen-Kollege Patrick Breyer aus sehr zutreffenden Gründen kritisiert hat.

Wer die Theorie, dass Panikmache und Fake News vor allem auf soziale Medien zurückzuführen sind, einem Realitätscheck unterzieht, merkt: Die Theorie stimmt so nicht. Auch wer Twitter sofort geschlossen hatte, nachdem die ersten Ruckel-Videos zum Anschlag in der Timeline erschienen, wurde über das Fernsehen mit Bildern zweifelhafter Herkunft – notdürftig als „noch nicht offiziell bestätigt“ apostrophierten Halb- und Unwahrheiten – bombardiert.

Das hinter den „Fake News“ stehende Problem heißt hier also nicht „Facebook“ oder „Twitter“. Es heißt vielleicht „Nachrichtenhysterie“. Und die ist wohl eher ein Problem des Zeitgeistes, das nicht auf ein bestimmtes Medium beschränkt ist. Schon gar nicht ist es durch nicht zu Ende gedachte Verbote, durch ein „NetzDG“ oder gar ein „TVDG“, in den Griff zu bekommen.

> Stephan Dirks ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in Kiel.

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