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Netzwelt

10. Dezember 2016 | 00:17 Uhr

Yahoo gehackt : So läuft der Cyber-Krieg

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Es geht bei Attacken wie Yahoo nicht um Spionage, es geht um Zerstörung, kommentiert Joachim Dreykluft.

Yahoo macht bei diesem Cyber-Angriff vieles falsch. So verwundert, dass das Unternehmen ihn zwei Jahre lang nicht bemerkt hat. Als dann im August ein erster Verdacht aufkam, wurde der wieder fallen gelassen. Noch am 9. September wurde bei der Börsenaufsicht SEC ein Papier eingereicht mit dem Inhalt, Angriffe auf die eigenen Systeme seien dem Unternehmen nicht bekannt. Und nun das: Datensätze von 500 Millionen Nutzern wurden gestohlen. 500 Millionen!

Interessant macht diesen Fall neben der Größenordnung, dass Yahoo ungewöhnlich unverblümt von einem „state-sponsored actor“ spricht, also einem staatlich unterstützten Angreifer.

Yahoo nennt keinen Staat. Die üblichen Verdächtigen sind China und Russland. Kann sein, muss nicht. Der Fall wirft ein Schlaglicht darauf, welchen Umfang der Cyber-Krieg inzwischen angenommen hat. Und mit welchen Methoden er ausgefochten wird.

Der Umfang, dass wissen wir nun, ist rapide gewachsen. Es geht längst nicht nur um Spionage und Industriespionage. In Deutschland wurden der Bundestag und Parteien angegriffen, um, so eine seriöse Vermutung, die Meinungsbildung im Vorfeld von Wahlen zu beeinflussen. Ernst zu nehmende Experten befürchten, dass Russland die US-Wahl manipulieren könnte, etwa durch Angriffe auf Wahlmaschinen. Es geht im Cyber-Krieg längst nicht mehr nur um Informationsbeschaffung. Es geht darum, Schaden anzurichten.

Aber warum sollte jemand 500 Millionen Datensätze von Privatnutzern stehlen? Einen Hinweis auf die Antwort gibt ein anderer Datendiebstahl, der im Juni 2015 entdeckt wurde. Unbekannte, vieleicht Chinesen, stahlen rund 20 Millionen Datensätze vom Office of Personal Management der USA. Das ist für die Personalverwaltung der US-Regierung zuständig. Offensichtliches Ziel: Personen finden, die erpressbar sind.

Hier könnte auch das Motiv der Yahoo-Angreifer liegen: Wer in 500 Millionen Daten auch nur ein paar Erpressbare findet aus Regierungen, Militär, Diplomatie oder Wirtschaft, hat Hebel in der Hand, die Entscheidungen beeinflussen können.

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erstellt am 24.Sep.2016 | 08:48 Uhr

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