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Netzwelt

03. Dezember 2016 | 14:43 Uhr

Christiansens Netzwelt : Snapchat, Periscope oder Facebook? Gefährlicher Einheitsbrei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Snapchat-Nutzer können jetzt Erinnerungen teilen – und wollen das nicht. Facebook lässt Nutzer live Videos streamen – und scheint überfordert.

„Wieso müssen sich alle guten Dinge verändern?“, fragt Hatice Kahraman auf Twitter. Sie ist Nutzerin des Messaging-Dienstes Snapchat und schimpft auf die neue Funktion „Memories“, die die Idee der App zu verraten scheint. Der Messenger ohne Archiv stand bis vor kurzem für schnelle Kommunikation unter Freunden – ohne Archiv, reine Echtzeit. Lustige und oft unbedeutende Momente wurden geteilt, waren nur kurz anzusehen und dann für immer verschwunden. Erleichternd. Jetzt gibt es einen Button, mit dem solche Momente konserviert werden können – und wieder geteilt. Und wieder. Und wieder. Wie nervig.

Auch Facebook verändert sich stetig – eine Erinnerungsfunktion gibt es längst, nun setzt der US-Konzern auf Live-Videos. Eigentlich das Steckenpferd von Twitters Live-Streaming-App Periscope. Echtzeit ist hip. Aber es bringt Probleme, denen der US-Megakonzern noch weniger gewachsen zu sein scheint, als dem Unterbinden von Hassrede. So zeigen die tödlichen Polizisten-Schüsse auf einen Schwarzen im US-amerikanischen Dallas die Zwickmühle auf, in der Live-Streaming-Plattformen stecken: Der Mann stirbt in seinem Auto – vor der laufenden Kamera seiner Freundin. Und Millionen Facebook-Nutzer sehen ihm dabei live zu.

„Verstörend“ seien diese Bilder, sagt Facebook-Chef Marc Zuckerberg. Doch sie werden nicht gelöscht. Zuckerberg sieht im Live-Streaming eine Möglichkeit, Missstände aufzuzeigen. Ehrenwert, aber auch mit Vorsicht zu genießen, denn auch Echtzeit-Übertragungen zeigen immer nur einen Ausschnitt des Geschehens. Und sie gelangen – in ihrem ganzen Ausmaß – ungefiltert in die Community. Wer also niemandem beim Sterben zusehen möchte, muss Vorsicht walten lassen – bis Facebook (irgendwann) reagiert hat und Warnhinweise vorschaltet.

Und so wird Snapchat zu Facebook und Facebook zu Periscope – und keiner weiß so richtig, was er tut. Ob das den Nutzern gefällt?

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erstellt am 13.Jul.2016 | 12:21 Uhr

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