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Netzwelt

04. Dezember 2016 | 09:19 Uhr

Maas' Netzwelt : Smartphone-Sucht: Wie uns App-Entwickler verführen

vom

Burger können süchtig machen – Apps auch. In beiden Fällen ist das kein Zufall, schreibt unsere Kolumnistin.

Smartphone-Sucht. Das klingt für eine Person, die digitalen Fortschritt prinzipiell faszinierend findet, erst einmal verschwörungstheoretisch. Ich probiere, den Satz aufzusagen: „Ich könnte jederzeit damit aufhören.“ Und muss lachen, weil ich mir selbst nicht glaube. Aufhören? Auf gar keinen Fall! Warum?

Das Gerät selbst ist dabei noch nicht mal der größte Suchtfaktor - das erledigen die Apps. Wer an einem verregneten Sonntagnachmittag im Facebook-Feed immer weiter nach unten scrollt, kennt das. Oder wer einen Endorphin-Rausch erlebt, weil plötzlich 72 Herzen unter einem Instagram-Foto kleben. Am letzten verregneten Sonntagnachmittag habe ich in einem Bericht des US-Magazins „The Atlantic“ erfahren: Das alles ist kein Zufall. Wir sind nicht süchtig, weil wir willenlose Zombies ohne einen Funken Selbstdisziplin sind. Wir sind süchtig, weil die Konzerne das so wollen. Diese Apps sind genau zu diesem Zweck designt. Das zumindest sagt dem Magazin Tristan Harris. Er hat an der Elite-Uni Stanford gelernt, wie es funktioniert - im „Persuasive Technology Lab“.

So, wie McDonalds Zucker und Geschmacksverstärker in seine Burger, Pommes und Salate streut, spielen die Entwickler mit unseren tiefsten sozialen Bedürfnissen. 43 „Likes“ auf Facebook, elf neue Follower bei Twitter, über 400 Kontakte bei Xing - in diesem Belohnungssystem wissen wir nie genau, wann der nächste Kick kommt. Aber wir tun vieles dafür, um uns erfolgreich, beliebt und wertvoll zu fühlen.

Und in den Newsfeeds gibt es immer noch mehr: noch ein Donald-Trump-Video, noch mehr Urlaubsfotos von Freunden - und kennst du schon dieses lustige Baby aus Australien?

Was tun? Harris und andere fordern einen „hypokratischen Eid” für App-Entwickler, einen ethischen Kodex. Bis es so weit ist, steht auf Harris’ Bildschirmschoner „Face Down” - eine Erinnerung, wie das Smartphone am besten auf dem Tisch liegt. Sein nächster Tipp: Die Apps umsortieren. Facebook, Messenger und Twitter zählen schließlich in alarmroten Symbolen die Benachrichtigungen zusammen - und ziehen so in die Apps. Auf meinem Homescreen ist deshalb kein Platz mehr für sie - sie sind auf die zweite Seite verbannt.

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erstellt am 24.Okt.2016 | 15:35 Uhr

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