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Netzwelt

08. Dezember 2016 | 03:07 Uhr

Lorenz’ Netzwelt : Shanghai, Peking & Co – Das Silicon Valley wird abgehängt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim mobilen Internet haben nicht die USA, sondern China die Nase vorn.

Seit dieser Woche ist es amtlich: Der US-Fahrdienstleister Uber hat sich am chinesischen Markt die Zähne ausgebissen. Das Feld wird dem dortigen Konkurrenten Didi überlassen. Dass es von solchen Fällen nicht noch mehr in der neuen, bunten Internet-Technik-Welt gibt, liegt vor allem daran, dass Unternehmen wie beispielsweise Facebook von den Zensoren in Peking bislang ausgesperrt werden. Zwar rüstet Mark Zuckerberg sein soziales Netzwerk und noch mehr die hauseigenen Nachrichtendienste Messenger und Whatsapp seit Monaten für den Tag X, an dem Facebook in der Volksrepublik zum Zuge kommen darf. Doch bislang wäre ein Scheitern von Facebook dort ebenso garantiert wie bei Uber – so absurd das aus westlicher Perspektive oft erscheinen mag.

Die Wahrheit ist: Chinas Internet-Leitungen mögen immer noch regelmäßig kollabieren, weil Zensoren mal wieder einen schlechten Tag haben. Doch in Sachen Innovation haben chinesische Konzerne das viel gepriesene Silicon Valley in den USA bereits hinter sich gelassen. Eine Meinung, mit der der Autor dieser Zeilen in der Redaktion oft Kopfschütteln erntet. Allerdings kommen andere inzwischen zum selben Schluss – allen voran der US-Journalist Paul Mozur, der seinen Artikel in der „New York Times“ diese Woche mit genau dieser These betitelte: „Nicht das Silicon Valley, sondern China ist Vorreiter bei mobiler Technik“.

Dafür gibt es gute Gründe: China muss nicht mühsam bestehende Gegebenheiten ändern – wie zum Beispiel die Infrastruktur, die in China oft einfach gar nicht vorhanden war. Stattdessen konnten Technologie-Firmen dort sofort auf das mobile Internet setzen, mobile Bezahldienste aufbauen, die in Deutschland bis heute mehr Gerede als Realität sind, und eine digitale Konsumwelt erschaffen, die ihresgleichen sucht. Von Dating- und Taxi-Apps übers Live-Streaming bis hin zur Paket-Drohne – China war zuerst da. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Unternehmen wie Tencent, Baidu, Alibaba und Xiamoi die Welt umkrempeln. Das Silicon Valley war gestern; und zuletzt kaum mehr als ein Tummelplatz von Leuten wie Ex-Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Die Musik spielt heute woanders – in Städten wie Shenzhen, Hangzhou, Peking und Shanghai.

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erstellt am 04.Aug.2016 | 18:55 Uhr

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