zur Navigation springen

Netzwelt

03. Dezember 2016 | 22:54 Uhr

Fligges Netzwelt : Schluss mit der Online-Existenz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Über einen neuen Dienst lassen sich mit wenigen Klicks die eigenen Accounts im Netz löschen.

In regelmäßigen Abständen stelle ich mir die Frage, ob das Internet nun gut oder schlecht ist. Oft bin ich voller Hoffnung und höre Mark Zuckerberg sprechen – von einer vernetzten und besseren Welt. Aber diese Tage haben nicht viel übrig für Netz-Optimismus. Sie drehen sich um hundertausende gehackte Router und um Trolle, die sexistisch auf Twitter herumpoltern. Rassisten treiben auf Facebook ihr Unwesen und die Werbe-Branche folgt mir auf Schritt und Tritt, um mein Surfverhalten zu vermarkten. Und von Mark Zuckerbergs Rolle bei dem Ganzen wollen wir gar nicht erst anfangen.

Im echten Leben – dem „real life“ – würde man wohl die Decke über den Kopf ziehen, sich umdrehen und weiterschlafen. Oder im schlimmsten Fall Wohnung und Auto verkaufen, alles Geld im eigenen Besitz verbrennen und aussteigen. Aber im Netz?

Derzeit wird viel berichtet über den neuen Online-Dienst „www.deseat.me“ aus Schweden. Das Versprechen an die Nutzer: Er löscht per Knopfdruck ihre Internet-Existenz. Man loggt sich mit seiner E-Mail-Adresse (derzeit funktionieren nur Google-Accounts) ein, die man auch für Facebook, Twitter und andere Dienste nutzt. Dann lassen sich mit wenigen Klicks aus einer Liste die Accounts auswählen, die gelöscht werden sollen – von Skype über Dropbox bis hin zu Instagram. Wer konsequent ist, kann seinen digitalen Fußabdruck damit deutlich verkleinern. Das Tool hilft nicht bei zum Beispiel privaten Fotos, die Freunde auf ihrem Facebook-Profil veröffentlicht haben. Da muss man schon im „real life“ aktiv werden. Außerdem ist es beunruhigend, einem einzigen Dienst Zugriff auf alle Online-Accounts zu gewähren, damit dieser sie löschen kann – auch wenn „deseat.me“ behauptet, dass Datensicherheit dem Dienst „extrem wichtig“ sei. Wo wir wieder beim allumfassenden Misstrauen wären. Ich glaube, ich lösche den E-Mail-Account gleich mit.

zur Startseite

von
erstellt am 01.Dez.2016 | 19:25 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen