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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 21:50 Uhr

Dreyklufts Netzwelt : Schafft Bargeld ab! Aber richtig!

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Befürworter von Bargeld haben das Datenschutz-Argument auf ihrer Seite. Aber das lässt sich beseitigen.

Derzeit tobt in Deutschland eine interessante Nischendiskussion darüber, ob Bargeld noch eine Zukunft hat oder abgeschafft werden soll. Ausgelöst wurde sie im Frühjahr durch die Ankündigung der EZB, den 500-Euro-Schein abzuschaffen. Befeuert wurde sie durch das Buch „The Curse of Cash“ („Der Fluch des Bargelds”) des Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff, das in diesem Monat erschien. (Hier eine Zusammenfassung auf deutsch vom Autor selbst.)

Kritiker des Bargelds: Kenneth Rogoff
Kritiker des Bargelds: Kenneth Rogoff Foto: Imago/ITAR-TASS

Während in Skandinavien die Diskussion über das Bargeld total entspannt ist und kaum jemand Papierscheinen und Münzen hinterher trauert, gibt es in Deutschland eine breite ideologische Allianz für das Bargeld, die von der AfD bis zu Sascha Lobo reicht.

Der Unterschied in den Debatten liegt wohl darin, dass die Skandinavier nie schlechte Erfahrungen damit gemacht haben, wie der Staat mit ihnen umgeht, wir dagegen ständig im geistigen Untergrund sind für den Fall, dass wieder eine Diktatur über uns hereinbricht. Diese Gefahr will auch ich nicht per se in das Reich der Fantasie verweisen.

Befürworter des Bargelds:Der frühere Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Befürworter des Bargelds:Der frühere Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Foto: Michael Kappeler

Die Debatte um das Bargeld hat verschiedene Dimensionen. Ökonomen wie Hans-Werner Sinn befürchten, dass wir ohne Bares durch massive Negativzinsen der EZB enteignet werden können. Deutsche-Bank-Chef John Cryan beklagt die hohen Kosten.

Entscheidend scheint mir in der Diskussion das Thema Datenschutz. Nur Bargeld, so das Argument, garantiert anonyme Transaktionen und ist deswegen ein Garant für Freiheit.

Ich finde Bargeld total umständlich. Seit Jahren habe ich in Skandinavien kein Bargeld mehr verwendet. Bunte Papierscheinchen passen nicht in unsere digitalisierte Welt. Fortschritt bringt Lebensqualität, auch beim Bezahlen.

Das Problem: Das Argument mit der fehlenden Anonymität beim digitalen Bezahlen sticht. Auch ich mag mir keine Welt vorstellen, in der jede meiner Transaktionen nachvollziehbar ist.

Anstatt an Scheinen oder Münzen festzuhalten, sollten wir darüber nachdenken, wie wir digitales Bezahlen und Anonymität in Einklang bringen. Bitcoin zeigt, dass das technisch geht. Ich würde gerne einfach, bequem, digital und anonym bezahlen können. In Euro.

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von
erstellt am 28.Sep.2016 | 06:51 Uhr

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