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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 15:38 Uhr

Gesetz ab 1. August : Routerzwang endet – Schluss mit den Vorschriften

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am 1. August endet der so genannte Routerzwang in Deutschland. Internet-Zugangsanbieter dürfen dann ihren Kunden nicht mehr vorschreiben, welchen Router sie benutzen sollen.

Mehr Selbstbestimmung für Internetnutzer: Ab dem 1. August können Kunden sich für einen WLan-Router ihrer Wahl entscheiden – und somit auch die Funktionen des Gerätes, das Computer, Handys und Tablets meistens kabellos per WLan-Funk mit dem Internet verbindet, frei nutzen. Alle neuen Internetanschlüsse müssen künftig mit einem frei wählbaren Router angeboten werden. So schreibt es ein Gesetz vor, das der Bundesrat Ende 2015 verabschiedet hat.

Internet-Anbieter können Kunden bislang vorschreiben, welchen Router sie nutzen dürfen - und bestimmen damit auch den Funktionsumfang. Das geht künftig nicht mehr. Doch einige Anbieter versuchen die neue Regelung zu umgehen.

Alle Anbieter von Internet-Breitbandanschlüssen (DSL und Kabel) sind dazu verpflichtet, bei Vertragsabschluss dem Kunden die kompletten Zugangsdaten zu übergeben, sodass diese einen eigenen Router kaufen und anschließen können. Alle Zugangsdaten seien „dem Teilnehmer in Textform, unaufgefordert und kostenfrei bei Vertragsschluss zur Verfügung zu stellen“, so steht es im Gesetz.

Das klingt zunächst gut, doch es gibt einen Haken: Die neue Regelung interpretieren viele Internet-Zugangsanbieter so, dass sie nur für Neukunden gilt, und nicht für die überwiegende Mehrheit, die bereits einen Vertrag hat. „Grundsätzlich gilt das Ende des Routerzwangs für alle Kunden“, erklärt Bernd Storm van’s Gravesande, Geschäftsführer des auf Vertragskündigungen spezialisierten Dienstes „Aboalarm“. „Das heißt, der Anbieter muss allen Kunden ihre Zugangsdaten zur Verfügung stellen.“ Passiere dies nach einer angemessenen Frist nicht, rät er Kunden dazu, den Anbieter dazu aufzufordern. Erst wenn keine zufriedenstellende Reaktion erfolge, rät er Bestandskunden „vorsorglich zu kündigen“, um eine bessere Verhandlungsposition zu bekommen.

Einige Anbieter haben die Vorgaben des Gesetzes allerdings noch nicht umgesetzt. So berichtete die IT-Nachrichtenseite golem.de Mitte Mai „neben den Kabelnetzbetreibern Unitymedia und Vodafone (Kabel Deutschland) rücken die Breitbandanbieter Wilhelm.tel, M.net, O2 und EWE noch nicht vollständig die Zugangsdaten heraus“. Die Internet-Anbieter hatten sich vor der Verabschiedung des Gesetzes heftig gegen die Aufhebung des Routerzwanges gewehrt, mit zum Teil skurrilen Argumenten: So hatten Branchenverbände unter anderem darauf hingewiesen, dass durch die Verwendung „inkompatibler Endgeräte das Erreichen der vertraglich vereinbarten Datenübertragungsrate nicht sichergestellt werden könne“ und „Störungen im Telekommunikationsnetz des Netzbetreibers verursacht werden könnten“. Viele der Anbieter erreichen die Surf-Geschwindigkeiten, die sie ihren Kunden in Werbeanzeigen versprechen, allerdings nicht, obwohl diese nur den Router nutzen dürfen, der ihnen vom Anbieter vorgegeben wird. Auch hinkt Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern bei der Internet-Geschwindigkeit immer noch deutlich hinterher – was nicht an falschen Routern, sondern an zu langsamen Anbietern liegt.

Router wurden bisher meist zusammen mit einem Anschluss „im Paket“ verkauft. Bei einem Mietmodell wird der Kaufpreis auf die Laufzeit, zum Beispiel 24 Monate, verteilt und zu der monatlichen Gebühr dazugerechnet. Doch nur wenige Anbieter legen offen, was der Router den Kunden tatsächlich kostet. Stattdessen schlagen sie manchmal eine Gebühr für die WLan-Nutzung auf, was nicht mehr zeitgemäß ist Kunden, die einen Router kaufen und längere Zeit nutzen, können also Geld sparen.

Ein Mietrouter empfiehlt sich nur bei Kunden, die den Wechsel des Routers scheuen oder sich den Kaufpreis nicht leisten können. Aber die zahlen über den Mietpreis langfristig mehr als die Routerkäufer.

Umgerechnet auf zwei Jahre liegen die monatlichen Kosten für einen 100-Euro-Kaufrouter bei 8,33 Euro. Das ist in vielen Fällen günstiger als das Mietmodell. Besonders, wenn der Vertrag länger als zwei Jahre läuft und der Router danach nicht ausgetauscht wird.

Wichtige Kriterien beim Kauf sind die Geschwindigkeit der Datenübertragung, die Sendeleistung und Reichweite der WLan-Antennen, sowie Sicherheit und der Stromverbrauch.

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