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Netzwelt

04. Dezember 2016 | 11:11 Uhr

Henckes Netzwelt : „Romance Gaming“: Der Schrei nach Liebe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Romance-Games befriedigen Japaner ihre Sehnsucht nach einem Partner, den es nicht gibt.

Single-Plattformen oder Dating-Apps wie Parship oder Tinder sind nicht nur in Deutschland hoch im Kurs. Männer und Frauen, die sehnsüchtig einen Partner fürs Leben finden wollen, können hier fündig werden und einen echten Menschen kennenlernen.

Anders in Japan: Hier möchten viele Frauen gar keinen neuen Mann finden, sondern angeln sich in Spielen wie „Metro PD: Close to you“ oder „Samurai Love Ballad: Party“ virtuelle Partner.

Die Industrie für „Romance Gaming“ hatte 2014 bereits einen Wert von 130 Millionen Dollar und wächst weiter. 40 Prozent der Singles zwischen 20 und 30 in Japan wollen nämlich gar keinen festen Partner im echten Leben haben, zeigt eine Umfrage der Regierung. Viele Single-Frauen in Japan können mit japanischen Männern nichts anfangen – zu unromantisch. Die Spielemacher bedienen mit ihren Apps ein tiefes Verlangen nach Vertrautheit – simulierter Intimität. Millionen Frauen nutzen solche Spiele und tauchen in eine Fantasiewelt ab, in der die virtuellen Lover ihnen alles bieten, was die Partner im echten Leben nicht können.

Die Firma „Voltage“ bietet insgesamt 88 Spiele an, viele davon im Manga- oder Comic-Stil – sie haben eine Handlung und Kapitel, vieles kostet extra.

„Romance Gaming“ schafft das Image eines perfekten Mannes, den es so nicht gibt. Niemand ist perfekt. Vielleicht haben viele auch Angst, sich im echten Leben zu verlieben. Aber sich deshalb in eine virtuelle Romanze zu flüchten, macht die Dinge nicht einfacher. Zu lieben und geliebt zu werden ist Teil des Menschseins. Ein virtueller Partner wird nie real, man kann mit ihm keine Familie gründen, wird ihn nie umarmen oder küssen können. Am Ende bleibt man allein – trotz Pixel-Partner. Das wissen auch die Nutzer. Japan war schon immer Land verrückter Dinge. „Romance Gaming“ setzt dem die Krone auf.

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erstellt am 28.Nov.2016 | 11:45 Uhr

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