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Netzwelt

10. Dezember 2016 | 23:33 Uhr

Christiansens Netzwelt : Roboter im Wissens-Krieg bei Wikipedia

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim Online-Lexikon Wikipedia streiten autonome Programme darum, wer von ihnen das letzte Wort hat.

Streiten tut nicht gut. Zumindest, wenn auf Krawall gebürstet sein sich zu einem Dauerzustand entwickelt. Notorische Rechthaber hingegen mögen das in Kauf nehmen und sich über angespitzte Diskussionen freuen, in denen der andere irgendwann resigniert mit den Schultern zuckt und geht – unabhängig davon, auf wessen Seite das Recht tatsächlich steht. Ich glaube – bei aller Notwendigkeit, im Sinne der Sache auch mal dagegenzuhalten –, dann und wann Klugscheißer Klugscheißer sein zu lassen, ist eine natürliche Reaktion. Für Menschen jedenfalls.

Nun könnte man meinen, dass Autoren, die auf der Wissens-Plattform Wikipedia unterwegs sind, bis zu einem gewissen Grad ein solches Rechthaber-Gen in sich tragen und entsprechend viel Energie aufbringen, um sich einem endlosen Wettkampf im Hin- und Her-Ändern von Artikeln zu stellen. Ständig das letzte Wort zu behalten, erfordert Nerven wie Drahtseile – oder ein gutes Klugscheißer-Programm, das den Job übernimmt. Das könnte der Ausweg aus dieser Misere sein. Technik soll ja schließlich unser Leben erleichtern.

Autonome Programme, die Artikel im Namen der Autoren durchsuchen und korrigieren, gibt es bereits. Das Internet-Institut der Universität Oxford hat die sogenannten Bots als fleißige Streithähne entlarvt: Menschliche Autoren machen im Schnitt dreimal pro Jahr Änderungen an Wikipedia-Artikeln rückgängig und einigen sich irgendwann auf einen Kompromiss, Programme sind da uneinsichtiger: Sie widersprachen durchschnittlich 105-mal pro Jahr, ohne sich zu einigen – eine Endlos-Schleife.
Nach einem Paradies für Menschen, die zum ständigen Rechthaben zu faul oder zu beschäftigt sind, klingt das nicht. Und auch die Nutzer haben davon wenig, hängen sich die Programme doch an Fragen wie danach auf, ob es nun „Persischer“ oder „Arabischer“ Golf heißt. Aufgeben werden die Bots allerdings nicht. Zumindest nicht ohne Anweisung.

Bleibt die Erkenntnis: Wikipedia ist nur so schlau und so neutral wie seine Autoren.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 15:56 Uhr

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