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Netzwelt

23. März 2017 | 15:30 Uhr

Voss’ Netzwelt : Relikte der Schul-Urzeit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Medienkompetenz geht nicht nur Schüler an. Auch Lehrer müssen sich bilden.

„Den Videorecorder – Steffen, kannst Du den vielleicht mal anschließen?“ Zu meiner Schulzeit konnten die meisten Lehrer nicht einmal ein so simples Gerät wie einen Videorecorder bedienen. Das mussten in der Regel Schüler machen. Oft ich, weil ich gerne irgendwo vorne an der Seite außerhalb des Sichtwinkels der Lehrer gesessen habe. Da vorne stand dann aber auch der Rollwagen mit der riesigen Glotze.

Im Lehramtsstudium sind mir dann Mitstudierende – zukünftige Lehrerinnen und Lehrer – in „Multimedia-Seminaren“ begegnet, die sich beklagten, dass dort nur mit dem Computer gearbeitet wurde. „Ich dachte, Multimedia bedeutet, dass wir hier mit unterschiedlichen Medien arbeiten: Tafel, Overhead-Projektor und so weiter!“ Nein, so furchtbar lange ist mein Studium noch nicht her – Die Zeit der Overhead-Projektoren war auch damals schon vorbei. In meinem ersten Semester habe ich noch Folien gedruckt. Danach gab es Powerpoint und Beamer.

Vielleicht hat sich die Einstellung von Lehramts-Studierenden zu Computern inzwischen geändert. Ich kann es nur hoffen, denn ohne ein grundlegendes Verständnis von digitaler Technik werden Kinder einen guten Teil der Welt nicht mehr hinreichend verstehen.

Es ist deswegen schade: Im letzten Jahr hatte die Bundes-Bildungsministerin Johanna Wanka von der CDU einen dicken „Digitalpakt“ angekündigt: Fünf Milliarden Euro für Schulaustattung und WLan. Nun hat ihr der Kabinettskollege und Parteifreund Wolfgang Schäuble einen Strich durch die Rechnung gemacht: Im Haushalt für das nächste Jahr findet sich kein einziger Euro für den „Digitalpakt“.

Es mag sein, dass die Lehrer zu meiner Zeit einfach schon geahnt haben, dass die Technik des Videorecorders so vergänglich ist, dass es sich nicht lohnt, sich damit zu beschäftigen – vielleicht habe ich sie immer unterschätzt. Ich glaube aber, dass Computer sich nicht so schnell überleben und dass es gut ist, wenn Kinder lernen, wie man sie sinnvoll einsetzt. Das sollte auch der Bundesregierung Geld wert sein.

> Steffen Voß ist Blogger aus Kiel.

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