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Netzwelt

11. Dezember 2016 | 01:19 Uhr

Gellners Netzwelt : Post aus der Vergangenheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wer schreibt eigentlich noch E-Mails? Glaubt man einer Studie, mehr Menschen als gedacht.

Wenn das Festnetztelefon klingelt, zucke ich zusammen. So ungewohnt ist dieser Laut, der mich aus dem Flur auf dem Sofa erreicht. Ich weiß dann, dass mich meine Oma anruft. In meiner Familie ist sie die einzige, die den Schritt zum Handy noch nicht geschafft hat. Meine Tante ist da schon etwas weiter – aber auch sie kommuniziert quasi exklusiv: Sie ist die einzige, die mir noch private E-Mails schreibt.

Oft antworte ich tagelang nicht, weil ich vor der Spam-Flut in meinem Postfach längst kapituliert habe. Ich logge mich erst ein, wenn es wirklich gar nicht mehr anders geht. Und abgesehen von meiner Tante, die trotz allem nicht aufgibt, beobachte ich in meinem Bekanntenkreis dasselbe Phänomen. Das neugeborene Baby einer guten Freundin, Hochzeitsfotos der Cousine und die neue Wohnung meiner Schwester: Die Fotos haben mich allesamt über Whatsapp erreicht, nichts davon über meine GMX-Adresse (die von meinen neueren Freunden übrigens ohnehin kaum jemand kennt).

Doch auch wenn mein Gefühl ein anderes ist – laut der Studie „Media Activity Guide 2016“, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, verbringen die Menschen noch immer mehr Zeit mit dem Lesen und Schreiben von E-Mails (36 Minuten täglich) als mit der Nutzung von Messenger-Diensten wie Whatsapp (24 Minuten). Eine weitere Studie im Auftrag von Adobe, die kürzlich herausgegeben wurde, geht in dieselbe Richtung. Ein Fünftel der befragten Büroangestellten verbringe mehr als vier Stunden täglich (!) damit, E-Mails zu bearbeiten, heißt es dort.

Okay, dass man bei der Arbeit vor elektronischer Post nie sicher ist, weiß jeder, der schon mal zwei Wochen im Urlaub war und bei seiner Rückkehr gefühlte 500 Mails abarbeiten musste. Ganz drum herum kommt man dort wohl auch nicht. Wer zumindest dem Post-Holiday-Syndrom vorbeugen will, dem sei folgende, im Internet kursierende Abwesenheitsnotiz ans Herz gelegt: „Ich gestatte jedem Absender eine E-Mail. Wenn Sie mir mehrere E-Mails schicken, werde ich Ihre Mails nach dem Zufallsprinzip löschen, bis sich sie auf eine reduziert habe. Wählen Sie weise.“ Vielleicht hilft’s ja.

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von
erstellt am 06.Okt.2016 | 15:16 Uhr

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