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Netzwelt

09. Dezember 2016 | 22:29 Uhr

Spiele-App von Nintendo : „Pokémon Go“: Megahit Monsterjagd - Warnung vor Downloads in Deutschland

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das neue Nintendospiel „Pokémon Go“ verbindet Schnitzeljagd mit mobilem Spiel. Der Hype überrascht selbst den Anbieter.

New York | Amerika ist im „Pokémon“-Fieber. Ob im New Yorker Central Park oder in den Straßen von San Francisco – überall laufen Leute mit Smartphones in der Hand herum und versuchen, die kleinen Taschen-Monster einzufangen. Der Clou von Nintendos neuer Spiele-App: Den Monstern begegnet man beim Herumstreifen durch die reale Umgebung. „Pokémon Go“ nutzt die Standortdaten von Smartphones, um Spielern in der Umgebung virtuelle kleine Monster – die so genannten Pokémon – anzuzeigen. Diese können über die Kamerafunktion des Smartphones aufgespürt und eingefangen werden.

Da das Spiel in Deutschland noch nicht erhältlich ist, kann man leicht in einer Betrugsfalle tappen, wenn man es sich herunterläd. Laut Computermagazin Heise kursieren bereist Dateien mit Trojanern an Bord. Daher bietet das Magazin einen sicheren Download auf der Seite an.

In den USA wurde „Pokémon Go“ nach einem Tag nach Berechnungen von Experten auf etwa jedes 20. Android-Handy geladen. Und im iTunes-Store führt die App die Liste der kostenlosen Programme vor Snapchat und anderen App-Hits an. Die Entwickler – Nintendos Pokemon Company und die ehemalige Google-Tochter Niantic Labs – wurden von dem Ansturm überrannt. Die weltweite Markteinführung wurde abgebremst, um die Server zu schonen. Bisher ist das Spiel offiziell nur in den USA, Neuseeland und Australien verfügbar. Europa sowie Japan und andere asiatische Länder sollen nun in den kommenden Tagen folgen, schrieb das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Personen.

Auch Erwachsene freuen sich über Punkte.

Auch Erwachsene freuen sich über Punkte.

Foto: dpa
 

Der Pokémon-Hype reicht schon für die ersten spektakulären Geschichten. So hätten vier Jugendliche im Bundesstaat Missouri an einem der sogenannten „Poké-Stops“, an denen man Monster-Fallen in Form eines rot-weißen Balls nachladen kann, Spielern aufgelauert und sie mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt, berichtete die lokale Polizei bei Facebook. Außerdem klagte ein Mann sein Leid in Online-Netzwerken, nachdem sein Haus versehentlich als Poké-Stop markiert worden war.

Einen gruseligen Fund machte eine 19-Jährige auf der Suche nach den „Pokemon“: Sie entdeckte eine Leiche in einem Fluss im US-Bundesstaat Wyoming, wie das Portal „County 10“ berichtete. Ein Bericht über einen von „Pokémon Go“ ausgelösten Verkehrsunfall erwies sich hingegen als falsch.

Doch immer wieder bringen sich ambitionierte Spieler in riskante Situationen: Zwei junge Frauen in Neuseeland mieteten sich ein Kayak, um auf einem See in unmittelbarer Nähe eines Schiffs Monster zu fangen.

Plötzlich wurden Gamer in der Natur gesichtet - auch dort sind Pokemon versteckt.

Plötzlich wurden Gamer in der Natur gesichtet - auch dort sind Pokemon versteckt.

Foto: dpa
 

Die „Pokémon“, gestartet vor 20 Jahren, hat sich für Nintendo zu einem Dauerbrenner mit einer weltweiten Gemeinde aus Millionen Fans entwickelt.

Für den Konzern Nintendo ist der Erfolg des Spiels auf dem Handy ein fulminanter Befreiungsschlag. Der Videospiele-Pionier ignorierte lange den Markt der Smartphone-Apps und verkaufte die Games mit seinen beliebten Figuren wie Super Mario, Donkey Kong oder eben die „Pokémon“ nur für eigene Spielekonsolen. Die Verkäufe der relativ erfolglos gebliebenen Fernseher-Konsole Wii U und der mobilen 3DS sinken aber. Gleichzeitig verbringen die Leute immer mehr Zeit mit den günstigen bis kostenlosen Smartphone-Spielen.

Branchen-Analysten hatten schon lange darauf gedrängt, Nintendo solle endlich seine Figuren auf Smartphones bringen. Der japanische Traditionskonzern hatte jedoch Angst, damit seine Erlöse aus Spieleverkäufen abzuwürgen. Denn bei Smartphone-Apps hat sich das Modell durchgesetzt, dass die Games sehr günstig oder kostenlos sind – und das Geld wird dann so gut es geht über den Verkauf virtueller Artikel verdient.

Das Spiel verbindet die beliebten Monster mit einer Art Schnitzeljagd.

Das Spiel verbindet die beliebten Monster mit einer Art Schnitzeljagd.

Foto: dpa
 

Das Geschäftsmodell mit In-App-Käufen klappt so richtig gut nur bei den wenigen Top-Hits. Und während Nintendo sonst gewohnt ist, 30 bis 60 Euro pro Spiel einzunehmen, kostet auch „Pokémon Go“ für Android und iOS zunächst einmal nichts. Dafür muss man dann zum Beispiel für einen Sack mit 1200 Pokémünzen – der Währung in der App – 9,99 Euro berappen. Nützliche Utensilien kosten – zum Beispiel 100 Pokébälle zum Fangen der Monster 460 Münzen.

Doch auch die gesammelten persönlichen Daten der Spieler sind für das Unternehmen wichtig, für die Gamer birgt der Spielspaß ein weiteres Risiko: Laut Datenschutzbestimmung für „Pokémon Go“ werden die erhobenen Daten als Unternehmenswerte betrachtet. Im Falle eines Verkaufs an andere Firmen könnten diese dann in den Besitz von Positions- und anderen Nutzungsdaten kommen, die durch das Spielen erzeugt wurden.

Die Anleger, die Nintendos Aktien in den vergangenen Monaten aus Sorge um die Zukunft der mehr als 125 Jahre alten Firma immer tiefer drückten, atmeten aber auf. Der Kurs schoss gestern um fast ein Viertel hoch. Nintendo war damit auf einen Schlag umgerechnet gut fünf Milliarden Euro mehr wert.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 07:57 Uhr

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