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Netzwelt

04. Dezember 2016 | 13:21 Uhr

neues Trend-Spiel : Pokémon-Go-Hype in SH: Spieler sind begeistert, Polizei ist besorgt

vom
Aus der Onlineredaktion

Pokémon war in den Neunzigern schon ein Trend, jetzt sind die bunten Monster ganz modern auf dem Smartphone zurück. Viele Schleswig-Holsteiner sind bereits auf Jagd.

Kiel | Wer heute zwischen 20 und 30 Jahren alt ist, hat in seiner Kindheit und Jugend wahrscheinlich Pokémon-Karten gesammelt, das Gameboy-Spiel gespielt oder die Zeichentrick-Serie geschaut. Jetzt geht der Hype weiter: Seit kurzem können Pikachu, Taubsi, Glumanda und Co. mit dem Smartphone in einem Augmented-Reality-Spiel gefangen werden. Auch viele Schleswig-Holsteiner sind wieder zu begeisterten Pokémon-Trainern geworden und machen sich auf die Jagd nach den bunten Monstern.

 

In Rendsburg ist für Sonntagnachmittag ein Pokémon-Flashmob geplant. Auf dem Paradeplatz wollen sich Spieler treffen, gemeinsam Pokémon fangen und sich über das Spiel austauschen. In Neumünster gibt es ein Treffen auf der Klosterinsel. Auch für Kiel gibt es auf Facebook schon zwei Fan-Seiten, auf der Spieler fachsimpeln können. Auf der Seite für ganz Schleswig-Holstein ist bisher noch nicht viel los, aber das wird sich bestimmt noch ändern, in vielen schleswig-holsteinischen Städten können schon Spieler auf Pokémon-Jagd beobachtet werden.

Ein Unterschied von Pokémon Go zu anderen Handy-Spielen ist, dass der Spieler sich wirklich physisch bewegen muss, um Orte im Spiel zu erreichen und die gesuchten Pokémon zu finden. Je mehr Kilometer zurückgelegt werden, um so seltener sind die Tiere, die gefangen, gesammelt und trainiert werden. Pokémon Go ist also nichts für Couch-Potatos.

 

Pokémon Go ist damit eines der ersten Spiele, dass die reale Welt mit der digitalen vermischt, das macht den besonderen Reiz und Suchtfaktor aus. So könnte die Zukunft des Spielens aussehen.

 

Der Spieler sieht auf seinem Display eine buntere Version der Realität, in der die Fantasiewesen dann auftauchen. Das Spiel funktioniert mit GPS und Karten. Der „Pokémon-Trainer“ begibt sich zu sogenannten Pokéstops, die sich an an Orten wie Gedenktafeln, Statuen oder historischen Gebäuden befinden und kann dort Belohnungen einsammeln. Auf diese Art lernen die Spieler auch ihre Umgebung besser kennen. Mit den gefangenen Pokémon kann auch gegen andere Spieler angetreten werden.

 

Das Spiel hat allerdings auch seine Nachteile. In den USA wurden bereits Spieler wegen Hausfriedensbruch festgenommen, weil sie ein Pokémon auf einem Privatgrundstück einfangen wollten. In Kiel erteilte die Polizei am Mittwochnachmittag 20 bis 30 Jugendlichen einen Platzverweis, weil der Wirt des Vapiano die große Gruppe auf Pokémonjagd nicht direkt vor seinem Restaurant haben wollte. Auch Pokéstops in Krankenhäusern oder Polizeiwachen sorgten für Ärger. Ein amerikanisches Holocaustmuseum hat ebenfalls einen Pokéstop abbekommen und fordert die Besucher auf, dass Spiel im Museum zu pausieren: Eine Gedenkstätte sei kein Ort für Handy-Spiele und Jagd auf bunte Monster. Bestürzt waren viele Spieler über ein Foto, das durchs Internet ging: Ein Pokémon, dass giftiges Gas ausstößt, schwebt in einer Gedenkstätte für überlebende der KZ-Gaskammern.

Einige Medien berichten auch, dass Kriminelle den abgelenkten Spieler an einigen Orten aufgelauert hätten, um sie zu überfallen und auszurauben. In Wyoming stieß eine junge Frau auf eine Leiche statt auf ein buntes Monster. Sicherheitsexperten warnen auch vor schädlicher Software, das Spiel sollte unbedingt aus dem offiziellen Play Store installiert werden. In Deutschland ist die größte Befürchtung der Polizei momentan, dass Spieler wie gebannt auf ihr Smartphone schauen und unvorsichtig im Straßenverkehr sind. Auch der ADAC warnt vor Ablenkung durch das Spiel. Das scheint eine berechtigte Sorge zu sein, zu dem Fan-Treffen in Rendsburg schreibt ein Facebook-Nutzer: „Bin heute auf der Autobahn umgedreht... Höhe Ohe war ein Pikachu. Die Polizei meinte ich solle die App löschen.“

 

Datenschützer haben ebenfalls Bedenken, denn wer Pokémon Go spielt offenbart viele persönliche Daten. Es wird gespeichert, wer sich wann und wie lange wo aufhält und wie weit gelaufen wird, um ein Pokémon zu fangen. Diese Daten werden zusammen mit Name und Emailadresse festgehalten, so entsteht ein detailliertes Bewegungsprofil. Die Daten werden als Unternehmenswert betrachtet, im Falle eines Verkaufs könnten sie viel Geld wert sein und zum Beispiel für Werbung genutzt werden.

Auch der Datenschutzexperte der schleswig-holsteinischen Piratenpartei Uli König warnt vor Datenklau und Unvorsichtigkeiten. Er sieht auch Probleme beim Schutz der Privatssphäre: „Spiele, die auf Augmented Reality basieren machen ohne Zweifel Spaß und sorgen zudem dafür, dass man sich bewegt und neue reale Orte in seiner Umgebung entdeckt. Allerdings sollte man gerade auch bei Spielen wie 'Pokémon Go' die Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte seiner Mitmenschen achten und nicht ungefragt Kollegen und Freunde filmen oder fotografieren.

Auch sollte man in sensiblen Bereichen wie Finanzämtern oder Krankenhäusern auf Aufnahmen verzichten, gerade weil unbeabsichtigt sensible und personenbezogen Daten aufgenommen und in der Regel auf Server im Ausland übermittelt werden könnten.”

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erstellt am 14.Jul.2016 | 13:39 Uhr

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