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Netzwelt

11. Dezember 2016 | 10:55 Uhr

Play16 Schlange auf der Tanzmatte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Gewusel aus Kabeln, Pappe, Alufolie und Obst herrscht im Konferenzraum. Die Schüler sitzen auf dem Boden, diskutieren, kleben und probieren ihre Bauwerke aus. Was sich nach einem alternativen Kunstunterricht anhört, ist in Wahrheit Teil des Computerspiel-Festivals „Play16“ in Hamburg. Unter dem Motto „Let’s get physical – Game and Body“ lotet das Festival dieses Jahr die Grenzen zwischen Körper und Spiel aus – klar, dass da der echte Körper immer wieder zum Einsatz kommt. „Wir haben tatsächlich viele Angebote im Programm, die komplett ohne Bildschirm auskommen“, erklärt Andreas Hedrich, der Initiator der Play16, „Und selbst wenn digitale Spiele im Einsatz sind, heißt es nicht, dass man einfach still sitzen bleibt.“

Für einen Tag dürfen die Schüler verschiedener Hamburger Mittelstufen in die Videospielbranche eintauchen – ohne einfach nur hinter PCs und Konsolen zu verschwinden. Im Workshop „Bongo Controller“ von Sohyun Jung und Tintin Patrone entstehen zum Beispiel neue Steuerungsmöglichkeiten für Klassiker wie „Snake“ oder „Tetris“. „Wir haben sechs Spiele vorgegeben und dann wurden sie zugelost“, erzählt die Workshop-Leiterin Jung. Verwenden können die Schüler neben einem einfachen Bausatz für Controller alles, was der Basteltisch hergibt – von der Knetmasse bis hin zu Bananen. Sechs solcher Workshops finden zeitgleich im Herzen Hamburgs statt. Je nach Vorlieben dürfen die Schüler so ihre eigenen Pizzakarton-Virtual-Reality-Brillen bauen, Kleidung für Spielcharaktere entwerfen oder kleine Kurzfilme drehen.

Dieser kreative Zugriff auf die Videospielbranche ist das Markenzeichen des Play-Festivals. Das Publikum dafür mussten sich die Veranstalter der „Initiative Creative Gaming“ aber erst mühsam erarbeiten. „Angefangen haben wir vor acht Jahren mit genau 76 Besuchern in Potsdam – beim letzten Mal in Hamburg waren es schon über 5000“, freut sich Andreas Hedrich. In diesem Jahr werden bis Sonntag noch mehr Besucher erwartet. Damit für jeden das passende Angebot dabei ist, bietet die „Play16“ mehr als 100 verschiedene Programmpunkte. Neben Workshops, Vorträgen und interaktiven Theaterstücken zählen insbesondere drei Ausstellungen zum Kern des Festivals. Auch hier sind die Bewegung und der Körper allgegenwärtig. Sei es in der Virtual-Reality-Ausstellung in der Zentralbibliothek oder der Hauptausstellung im Kunsthaus Hamburg.

Für die dritte Ausstellung hat das Festival einen neuen, prominenten Partner gewonnen. „Wir haben etwas aufzuholen!“, gibt Dennis Conrad vom Museum für Kunst und Gewerbe zu. Videospiele hat das Museum bisher sträflich vernachlässigt – bis jetzt. Seit Ende Oktober bringt die Ausstellung „Game Masters“ den Besuchern die Geschichte der Videospiele nahe – die Veranstalter der Play16 blicken dabei in einer Zusatzausstellung auf die Hamburger Branche. Extra für diese Kooperation wurde das Festival auch vom September in den November verlegt. So sind zwar weniger Veranstaltungen an der frischen Luft möglich – bei dem kühlen Hamburger Nieselwetter kann man sich dafür jetzt umso besser in die Museen und Werkstätten zurückziehen.

Dort laufen gerade die letzten Vorbereitungen für die Abschlusspräsentation der Schulworkshops. Die Teilnehmer der „Bongo Controller“-Werkstatt haben sich am Ende gegen Bananen entschieden. Stattdessen dürfen die anderen Schüler unter anderem eine „Snake“-Variante auf einer selbstgebauten Tanzmatte erleben.

 


Wer selbst einen Controller bauen oder einen der anderen Workshops testen möchte, bekommt am Sonntag, dem Familientag, nochmals die Gelegenheit (12 bis 16 Uhr, Kunsthaus Hamburg und Museum für Kunst und Gewerbe).


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erstellt am 04.Nov.2016 | 10:27 Uhr

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