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Netzwelt

25. Mai 2016 | 14:59 Uhr

Datenleck : Panne bei o2: Kundendaten landen in Kiel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hunderte Mails in eineinhalb Jahren: Der Telefonanbieter o2 verschickt routinemäßig E-Mails mit persönlichen Daten an seine Kunden – über 600 landen fälschlicherweise bei einem Kunden aus Kiel.

Eigentlich wollte Jens Haase (Name geändert) einfach nur eine kurze und knappe E-Mail-Adresse. Doch der Kieler bekam einen unbestellten Bonus: Daten. Massenweise Daten. Kontonummern, Adressen, Geburtsdaten, eingescannte Unterschriften. Ausweisnummern. Und Handynummern, versteht sich. Alles von o2-Kunden aus Berlin, die ihren Vertrag in einem von mehreren Shops des Telefonanbieters abgeschlossen haben. Beispielsweise am Alexanderplatz oder in der Frankfurter Allee. Dort wird die kurze Mailadresse, offenbar zuweilen als Dummy bei neuen Handyverträgen eingegeben.

Eine Berlinerin zum Beispiel hat seit Vertragsabschluss im September Schulden angehäuft. Ihre Mahnung aber landet in Kiel. In der Mail mit dem Betreff „Vermeidung der Sperre Ihres o2 Anschlusses“ heißt es: „Ihr Konto weist einen offenen Betrag in Höhe von 644,10 Euro aus.“ Eine andere Kundin bekommt ihre neue Nummer per Mail mitgeteilt. Und unmittelbar nach Vertragsabschluss landen alle Daten, die dafür erfasst wurden, bei dem Kieler. Mehr als 600 Mails haben sich so in knapp anderthalb Jahren angesammelt. Würde sich der ungewollte Empfänger die Mühe machen, könnte er ganze Kunden-Profile erstellen – oder die Vertrags-Daten für gezielten Betrug nutzen.

Jens Haase aber meldete sich bereits vor einigen Monaten bei o2. „Ich habe etwa drei bis vier mal dort angerufen und mich beschwert“, sagt er. o2 habe ihm als Entschädigung eine Gutschrift auf seine Handyrechnung erteilt. „Das waren etwa 30 Euro, aber aufgehört haben die Mails danach nicht.“ Er habe sich sogar die Mühe gemacht, bei einigen Kunden anzurufen, um ihnen von dem Datenleck zu erzählen. Die waren, wie er berichtet, überrascht bis geschockt. „Einer war richtig sauer auf o2 und wollte sofort in den Shop gehen, um das zu klären“, berichtet der Kieler. Die Mailflut riss aber auch danach nicht ab. Allein am vergangenen Mittwoch kamen elf neue Nachrichten an.

Dass die E-Mails fehlgeleitet werden, hört einer der Mitarbeiter in einem der betroffenen Berliner o2-Läden zum ersten Mal. Der Verkäufer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erklärt auf Anfrage, dass die Mitarbeiter die Kontaktmöglichkeit der Kunden händisch in ein Formular eintragen. Für die Mailadresse setzt man ein Häkchen und schreibt diese in ein Feld. „Ich kann mir das nicht erklären. Die Angaben im Vertrag bestätigt man am Ende ja mit seiner Unterschrift“, sagt er verblüfft. Ob es sich um bewusste Fehleingaben handelt, könne man nur spekulieren. Der Verkäufer beteuert, dass es nicht komplizierter sei, das Feld mit der Mailadresse einfach frei zu lassen.

Im Büro der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (BFDI) bezeichnet man den Vorfall als „dubios“. Doch bezweifelt man, dass das Problem von o2 selbst ausgeht. „Das klingt nicht nach einem technischen Defekt“, mutmaßt BFDI-Sprecher Dirk Hensel. „In Shops oder bei Vertriebspartnern kann es mitunter passieren, dass sich Mitarbeiter nicht an die Anweisungen halten.“ Dennoch hätte o2 auf die Hinweise von Jens Haase anders reagieren müssen. Nach dem Telekommunikationsgesetz müssen solche Vorfälle an die Bundesnetzagentur gemeldet und die betroffenen Kunden informiert werden (§109a). Dies ist laut BFDI aber nicht passiert.

Ob es sich um einen technischen Defekt handelt oder um Nachlässigkeit von Mitarbeitern, konnte man in der Münchener Zentrale von o2 auf mehrfache Anfrage nicht sagen. Man habe eine Untersuchung des Vorgangs eingeleitet und werde Maßnahmen ergreifen, „um weitere Zusendungen an die Mailadresse zu unterbinden.“ Ansonsten werde er keine weiteren Informationen in der Sache geben, teilt Pressesprecher Jörg Borm mit. Währenddessen klappt es an anderer Stelle besser mit der Weitergabe von Informationen: Es landen immer noch Mails bei Jens Haase in Kiel.  
 

Nachtrag: Nach Veröffentlichung dieses Artikels teilte o2 mit, dass das Problem am Mittwoch behoben wurde. „Weitere Aussendungen an die E-Mail-Adresse wird es nicht geben“, verspricht Pressesprecher Jörg Borm.


 

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erstellt am 02.Sep.2015 | 03:30 Uhr

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