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Netzwelt

26. Februar 2017 | 04:46 Uhr

Twitter, Facebook und Co. : Orkan Christian: Ein Sturm in 140 Zeichen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor gut einem Jahr wurde getwittert und geteilt, was das Zeug hält. Der Grund: Orkantief Christian fegte über Deutschland hinweg.

„Bei uns vorm Haus hat #orkanchristian den Baum zerlegt. Freu mich schon auf die Motorsägen in den nächsten Tagen“, twittert Sebastian Gebhardt aus Kiel am 29. Oktober 2013 – einen Tag nach dem großen Sturm. Nachrichten wie diese trudelten vor fast genau einem Jahr Schlag auf Schlag über den Kurznachrichtendienst Twitter oder im sozialen Netzwerk Facebook ein.

Doch warum nehmen soziale Medien in Extremsituationen eine immer wichtigere Rolle ein? „So ein Sturm ist ein großes Ereignis“, erklärt Christian Möller, Medienwissenschaftler an der FH Kiel, das Verhalten der User. „Das möchte man mitteilen.“ Aus zwei Gründen seien die Aktivitäten im Netz nach Möllers Einschätzung als positiv zu bewerten: Zunächst sei da das Bedürfnis, sich über das Erlebte mit anderen auszutauschen sowie Verwandten und Freunden zu signalisieren: „Es geht mir gut“.

Doch nicht nur Privatpersonen nutzen diese Informationswege. Auch für Wetterdienstleister, Sicherheitsbehörden und Hilfsorganisationen sei die Nutzung sozialer Medien durchaus sinnvoll. So setzten Hilfsorganisationen soziale Medien vermehrt ein, um dort zu helfen, wo es besonders nötig ist, sagt Möller. Bei Taifun Yolanda beispielsweise, der im November 2013 für Verwüstungen auf den Philippinen sorgte, wurde das Wissen der Internetgemeinde in einem Projekt von Google und der UN zusammengetragen – sogenanntes Crowdsourcing angewandt. Bilder wurden auf einer interaktiven Karte eingepflegt, um einen Überblick über die Lage vor Ort zu schaffen. „Die Nutzer haben die Infos zusammengetragen und waren selbst auch Prüfstelle“, erklärt Möller. Je mehr Leute sich beteiligen, desto sicherer wurden die Daten. „Eine sehr sinnvolle Nutzung.“

Auch Diplom-Meteorologe Sebastian Wache von der Wetterwelt in Kiel sieht viele Chancen in den sozialen Medien: Sie seien auch für Wetterdienste ein sinnvolles Werkzeug, um schnell viele Menschen mit einer Unwetterwarnung zu erreichen. Doch man müsse die veröffentlichten Informationen stark differenziert betrachten, mahnt Wache: „Grundsätzlich gelten die Warnungen der offiziellen Wetterdienstleister wie dem Deutschen Wetterdienst.“

„Egal, wer soziale Medien nutzt – die Infos müssen verifiziert werden“, sagt Möller. Jeder Nutzer müsse sich Gedanken machen, bevor er etwas weiter verbreite. Auch wenn bei den meisten Nutzern die guten Absichten hinter einem Post überwögen, könne das Geteilte unwahr sein. „Wer teilt, hat Verantwortung“, sagt Möller deutlich und räumt ein: „Gerüchte werden durch Twitter begünstigt.“

Doch der Medienwissenschaftler hat ein paar Tipps parat, wie man bei aller Schnelligkeit des Mediums verhindern kann, einer Falschmeldung aufzusitzen – man müsse „ein bisschen Digitalforensik“ betreiben: Es sei wichtig, stets verschiedene Quellen zu nutzen und gegebenenfalls mit dem Urheber des Posts Kontakt aufzunehmen. Den Wahrheitsgehalt von Bildern könne man durch die sogenannten Geotags feststellen – mobile Kameras hinterlegen in der Regel Ort und Zeit bei Entstehen des Bildes in den Eigenschaften der Datei. Zudem könne man anhand der IP-Adresse prüfen, wo der Post abgesetzt wurde. Offizielle Accounts von Institutionen seien bei Facebook leicht zu identifizieren. Sie sind mit einem Häkchen gekennzeichnet.

Doch selbst wenn die Meldungen an sich stimmten, können durch mangelnde Medienkompetenz oder oberflächliches Lesen in einer Ausnahmesituation korrekte Meldungen falsch gedeutet werden. „Wenn mehrere Videos von ein und derselben Windhose aber als mehrere verschiedene Windhosen am selben Ort aufgefasst werden, kann schon Panik entstehen“, sagt Wache.

Doch nicht nur Außergewöhnliches und Schreckensmeldungen regen zum Posten und Teilen an. Auch das sichere Ende eines Sturms wie Christian verbreitet sich über die sozialen Medien: Auf der sh:z-Facebookseite schrieb User Ronny Tattoo-Ronny Kenntjeder am Nachmittag des 28. Oktober 2013: „Ist nur noch ne steife Briese ... sonst alles im Lot anne Elbe.“

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erstellt am 26.Okt.2014 | 10:22 Uhr

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