zur Navigation springen

Netzwelt

10. Dezember 2016 | 06:08 Uhr

Netzwerk Recherche : Negativpreis „Verschlossene Auster“ geht an Facebook

vom

Die Strategie von Facebook gegen Hasskommentare ist für das Netzwerk Recherche ein Rätsel. Dafür erhält das Unternehmen den unbeliebten Anti-Preis.

Hamburg | Der Anti-Preis „Verschlossene Auster“ der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche geht in diesem Jahr an Facebook. Die Vereinigung kritisiert damit den nach ihrer Ansicht intransparenten Umgang des US-Unternehmens mit Hasskommentaren.

Facebook setzt in Berlin ein eigenes Team gegen Hasskommentare auf der Plattform ein. Die mehr als 200 Mitarbeiter prüfen Einträge, die andere Nutzer zuvor als problematisch melden und entscheidet dann, ob sie gelöscht werden. Kritiker vermuten, die Mitarbeiter entscheiden bei Löschentscheidungen nach Anzahl der Meldungen eines Inhalts.

„Dass Menschen Facebook für solche Botschaften missbrauchen, liegt nicht in der Verantwortung des Unternehmens. Wie die Firma dagegen vorgeht, allerdings schon“, hieß es am Samstag auf der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche in Hamburg. Es sei nicht erkennbar, ob und nach welchen Kriterien Facebook solche Kommentare lösche. Nachforschungen von Journalisten gingen ins Leere.

Facebook nahm die „Verschlossene Auster“ nicht an und widersprach der Kritik nach Angaben von Netzwerk Recherche in einigen Punkten. Seit Herbst 2015 habe die Firma „eine Vielzahl an Maßnahmen im Kampf gegen Hasskommentare und Hetze ergriffen“, habe Facebook-Sprecherin Tina Kulow erklärt.

Der Laudator auf den diesjährigen Preisträger, der Datenschutzexperte Thilo Weichert hielt dagegen: „Facebook denkt bisher ebenso wenig daran Transparenz herzustellen, wie Fremdenhasser mit Counterspeech zur Menschlichkeit bekehrt werden konnten.“ Denn das Geschäftsmodell von Facebook basiere darauf, „dass unkontrolliert Meinungen verbreitet werden. Dabei werden Daten gesammelt und kommerziell verwertet. Transparenz und Kontrolle wären für dieses Geschäftsmodell Gift.“

Preisträger der Verschlossenen Auster
2002 Otto Schily Blockade des Informationsfreiheitsgesetzes
2003 Aldi-Gruppe Juristische Schritte gegen kritische Berichterstattung
2004 Albrecht Schmidt (HypoVereinsbank) Einschränkungen der Pressefreiheit
2005 Gerhard Meyer-Vorfelder (DFB) Juristische Schritte gegen Satire
2006 Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn AG) Anzeigenentzug nach kritischer Berichterstattung
2007 Wladimir Putin Behinderung der freien Presse
2008 Internationales Olympischen Komitee „Informationspolitik das Gegenteil von fair play
2009 Bundesverband deutscher Banken „nicht auf Seiten von Transparenz und Aufklärung“
2010 Römisch-Katholische Kirche mangelnder Respekt für „den Anspruch der Öffentlichkeit auf vollständige Informationen“
2011 RWE, EnBW, Vattenfall und E.ON Atompolitik „beschönigt, beeinflusst und verheimlicht“
2012 FIFA Blockade von Recherchen zu Korruption
2013 Hans-Peter Friedrich restriktive Einstellung dem Auskunftsanspruch von Journalisten gegenüber
2014 ADAC Verhalten nach den Enthüllungen über Manipulationen
2015 Heckler & Koch Versuch der Unterbindung kritischer Berichterstattung
zur Startseite

von
erstellt am 09.Jul.2016 | 15:16 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen