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Netzwelt

07. Dezember 2016 | 13:33 Uhr

Bonsens Netzwelt : Mobile Pay in Dänemark: Flohmarkt ohne Cash

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim Wühlen durch gebrauchte Klamotten in der dänischen Provinz erfährt man viel über unsere Zukunft.

Ein Flohmarktbesuch im dänischen Tingleff vor einigen Wochen zeigte mir mal wieder, wie sehr sich unsere digitalen Kulturen doch unterscheiden. So gut wie alle der größtenteils privaten Verkaufsstände zierten offen hingestellte Pappschilder mit einer „Mobile Pay“-Nummer. Das ist Standard in Dänemark, beinahe altersunabhängig. Mit diesem einfachen Transfersystem lassen sich Geldbeträge in Sekundenschnelle via Smartphone-App und Pin von Bankkonto zu Bankkonto schicken – ohne Kenntnis weiterer Daten des Empfängers. Selbst Lumpenkäufer brauchen so kein Bargeld mehr.

Deutsche Touristen hingegen müssen trotzdem vorher Kronen abheben, denn das System setzt ein skandinavisches Bankkonto voraus. Und es erscheint mir derweil unvorstellbar, dass sich deutsche Banken, in denen der Papier-Überweisungsträger noch Usus ist, ein ähnlich populäres System einfallen lassen oder sich gar in einen grenzübergreifenden Standard eingliedern. Vielleicht sähen sie dadurch auch ihre Existenz bedroht.
Die Diskurse über Online-Sicherheit gehen in beiden Ländern in völlig andersartige Extreme. Aber selbst die meisten Dänen würden wohl kaum ihre Paypal-Adresse auf dem Flohmarkt öffentlich zur Schau stellen. Web-Sicherheit ist für viele ein Gefühl – und so lange nichts passiert, ist alles gut.

Dass die Allgegenwart von „Mobile Pay“ auch wirtschaftlich in Stein gemeißelt ist, zeigt die Entwicklung in diesen Tagen. Die Marktdominanz ist so groß, dass der einzige Konkurrent „Swipp“, hinter dem immerhin Nordeuropas führender Finanzkonzern Nordea steckte, sich aufgelöst hat. Nordea machte schon vor Monaten den Abflug, jetzt sind auch die letzten Banken zum Monopolisten gewechselt.
Die Europäische Kommission plant derzeit im Kampf gegen Geldwäsche gerade eine umfassende Identifizierungspflicht für solche anonymen Bezahlvorgänge – auch bei Centsummen wie auf dem Flohmarkt. Mit dem Grundgesetz ist diese Vorratsdatenspeicherung nicht zu vereinbaren. Auch den Dänen wird dies nicht gefallen, aber die Macht der Gewohnheit wird dies nicht treffen. Die Regierung in Kopenhagen will bei der bereits bestehenden Massenspeicherung ohnehin mehr als Brüssel erlaubt – auch ohne Anlass.

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