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Netzwelt

04. Dezember 2016 | 23:31 Uhr

Fligges Netzwelt : Mit Photoshop Politik machen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch Bildmanipulationen und Falschmeldungen haben zum Wahlsieg Donald Trumps beigetragen.

Sie sind die Krätze des Internets: gefälschte Nachrichten, untermauert mit manipulierten Bildern. „Hoax“ hat sich als Begriff dafür etabliert. Das kann lustig sein, wenn Satire-Seiten wie „Der Postillon“ die Maus in die Hand nehmen. Gefährlich wird es aber, wenn mit bearbeiteten Fotos politisch Stimmung gemacht und Menschen ganz bewusst in die Irre geführt werden. Auffällig ist, dass vor allem rechte Hetz-Seiten zu diesem Kampfmittel greifen.

In Europa sind es überwiegend Fotos von Flüchtlingen, die entweder mit Software bearbeitet oder einfach in einen anderen Kontext gestellt werden, um Nutzer zu verwirren. Einschlägige Seiten verbreiten diese Bilder problemlos und ungefiltert über Facebook und schüren dort Hass und Ressentiments.

Dieser Effekt dürfte auch Donald Trump maßgeblich in die Hände gespielt haben. Das Online-Portal „Buzzfeed“ hat 1000 Facebook-Posts politisch extremer Seiten im US-Wahlkampf analysiert. Bei den Rechten waren ein Drittel, bei den Linken 19 Prozent der Meldungen falsch. Die dreistesten Lügen wurden am häufigsten geteilt. Die Lethargie großer Netzwerke wie Facebook und Twitter aber auch Google dürfte also einen nicht unwesentlichen Anteil am Wahlsieg Donald Trumps haben, der nachweislich mit Verschwörungstheorien und Lügen Wahlkampf gemacht hat. Beispiele: Das Handelsdefizit der USA gab er mehrfach zu hoch an. Und bei einem Wahlsieg Clintons, so Trump, würden binnen Wochen 600 Millionen Menschen in die Staaten einwandern. Eine absolut illusorische Zahl.

Das Internet – einst hochgehalten als Mittel zur Aufklärung und Freiheit – verkommt durch hetzerische Falschmeldungen und diffamierende Bildmanipulationen zum Ort des Misstrauens. Da passt es nur ins Bild, dass die Schöpfer von Photoshop, Adobe, eine Software ankündigen, die auch Stimmen täuschend echt imitieren kann – das nächste Spielzeug für Hetzer und Trolle.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 12:44 Uhr

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