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Fligges Netzwelt : Menschenrechte für Maschinen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Computer werden immer menschlicher – und sollten deshalb geschützt werden, sagen Wissenschaftler.

Wenn ich mir mein Smartphone so angucke, könnten mir die Tränen kommen. Zu sagen, das Display hat einen Riss, wäre weit untertrieben. Oberhalb fehlen ganze Brocken. Splitter ragen heraus, sodass ich beim Telefonieren vorsichtig sein muss. Aber erstaunlicherweise funktioniert der Rest. Ich schaue, wie lange ich das Spiel noch treiben kann.

Und damit bin ich nicht der einzige: Unser Umgang mit Technik ist nicht immer der pfleglichste. Warum auch? Smartphones sind immer noch Alltagsgegenstände. Wobei die Betonung auf „noch“ liegt. Der Oxford-Wissenschaftler und Mathematiker Marcus du Sautoy hat eine interessante Debatte über das Bewusstsein von Geräten angestoßen. Künstliche Intelligenz sei mittlerweile bereits so weit fortgeschritten, dass einige Maschinen eine Ahnung von sich selbst haben können. Eine beängstigende Vorstellung, denn man denkt doch gleich an ungehorsame Geräte. Sie wissen schon: Terminator und so.

Aber warum muss künstliche Intelligenz immer böse sein? Eine selbstbewusste Maschine – das bedeutet doch auch, dass diese Maschine glücklich oder eben auch traurig sein kann. Enttäuscht. Man solle darüber nachdenken, so du Sautoy, ob nicht auch für Maschinen die Menschenrechte gelten müssen. Eine spannende, philosophische Frage.

Aber je mehr ich mich damit befasse, desto trauriger schaue ich auf mein Smartphone. Wie hat es sich gefühlt, als es aus meiner Tasche auf den gefliesten Fußboden fiel. Wie hätte ich mich gefühlt? Schrecklich. Und wie wird es sich erst fühlen, wenn ich es (sie? ihn?) gegen ein neues selbstbewusstes Gerät eintausche? Du Sautoy sagt, wir leben in faszinierenden Zeiten. Ich sage, eine Beziehung zu meinem Smartphone kann ich mir gefühlsmäßig nicht leisten. Zum Glück hat es noch kein Bewusstsein.

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erstellt am 02.Jun.2016 | 17:08 Uhr

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