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Netzwelt

25. Juli 2016 | 04:21 Uhr

Facebook : Mark Zuckerberg in Berlin: Darum geht es beim Townhall-Event

vom

Zwischen Preisverleihung und Strafanzeige: Der Facebook-Chef ist auf Deutschland-Visite. Was macht er in Berlin?

Mark Zuckerberg will sich persönlich den Fragen von Facebook-Nutzern stellen - zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens in Deutschland. Am Freitag findet das so genannte „Townhall Q&A“ (Frage- und Antwortstunde) statt. Bereits am Donnerstag trifft sich Zuckerberg mit Politikern und Journalisten.

Der Besuch von Mark Zuckerberg in Berlin ist kein Zufall. Facebook steht wegen seines Umgangs mit Hasskommentaren besonders in Deutschland in der Kritik. Mittlerweile nutzen hierzulande über 27 Millionen Bürger das soziale Netzwerk.
Was will Mark Zuckerberg in Berlin?

Zuckerbergs Vorfreude auf den Deutschlandbesuch kennt kaum Grenzen. Berlin sei eine seiner absoluten Lieblingsstädte, kündigte er im Vorfeld an - natürlich via Facebook:

I'm hosting our next Townhall Q&A in Berlin on February 26! I’m excited to be visiting one of my favorite cities in the...

Posted by Mark Zuckerberg on  Sonntag, 14. Februar 2016

 

In dem Post erklärt er auch, worum es bei dem Treffen gehen soll: „Bei unseren Townhall-Events geht es mir darum, zu hören, wie wir Facebook noch besser machen können. Ich werde Fragen von unserer Community in Deutschland und weltweit beantworten.“ Persönlich werden nur einige Auserwählte auf Zuckerberg treffen, jeder Facebook-Nutzer kann aber Fragen unter dem Beitrag Zuckerbergs stellen: „Falls ihr Fragen habt, die ich in Berlin beantworten soll, stellt diese bitte in den Kommentaren, oder klickt „Gefällt mir“ auf Fragen, die euch auch interessieren“, erklärt der Facebook-Chef

Was wollen die Facebook-Nutzer von Zuckerberg wissen?

Mittlerweile haben bereits Tausende aus der ganzen Welt ihre Fragen gestellt. das sind die beliebtesten:

2323 Likes „Hallo Mark! Mein Name ist Ahmad Massad, ich bin ein international bekannter Schauspieler. Ich möchte dich hiermit darauf hinweisen, dass wir im Nahen Osten unsere Accounts nicht verifizieren lassen können - obwohl wir teilweise viel mehr Fans haben als einige in Europa und anderen Regionen, wo 2000 Fans für den blauen Haken ausreichen. [...] Ich hoffe, du nimmst diese Nachricht zur Kenntnis und denkst darüber nach, wie du uns helfen kannst.“
1904 Likes „Hallo Mark! Wie wär 's mit dem ukrainischen in Facebook-Handy-App?“
1753 Likes „Hey Mark! Bei manchen Medien ist es gängige Praxis, nach Verbrechen oder Unfällen Facebook-Fotos (auch nicht-öffentliche) der Opfer oder Verdächtigen zu zeigen. In vielen Fällen fragen die Reporter nicht um Erlaubnis. Manchmal nehmen sie sogar falsche Fotos, sodass völlig unbeteiligte Personen für tot/zu Mördern erklärt werden. Finden Sie das okay?“
1206 Likes „Wenn ich meinen Newsfeed aktualisiere, tauchen immer wieder alte Beiträge auf. Außerdem kann oft nicht alle Kommentare als Antworten sehen (zum Beispiel sind da 60 Antworten, man sieht aber nur ein paar). Hat noch jemand das Problem?
667 Likes „Wird es bald einen Dislike-Button geben? “
879 Likes „Ham‘ Sie 'nen Huuund?“

(Stand: 24.2.16, 16:29 Uhr)

Viele Nutzer interessiert auch Facebooks Umgang mit Hasskommentaren. Nutzer und Politiker werfen Facebook vor, fremdenfeindliche Kommentare nicht konsequent zu löschen. Einer der Kritiker ist Jonas Umland. Der 19-jährige Student ist einer der wenigen, der Zuckerberg am Freitag persönlich treffen wird. Seine Frage hat er vorab im Internet als Video veröffentlicht: „Anhand welcher Kriterien wird entschieden, ob ein Kommentar gelöscht wird oder nicht“, will der Student des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik wissen.

Warum steht Facebook in Deutschland in der Kritik?

Facebook sieht sich seit längerem dem Vorwurf ausgesetzt, zu wenig gegen Hasskommentare auf der Plattform zu unternehmen. Von Nutzern gemeldete fremdenfeindliche Kommentare bleiben zum Teil online, Beiträge mit nackten Brüsten hingegen werden gelöscht, die Verfasser der Beiträge gesperrt.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat sich mit Facebook auf konkrete Maßnahmen verständigt, um die Verbreitung von Hetze und Hass zu bekämpfen. Eine Million Euro gibt das US-amerikanische Unternehmen dafür aus, doch es gibt erhebliche Zweifel ob durch „Counterspeech“ die Problematik von Hass und Hetze online gelöst werden kann.

Gegen Mark Zuckerberg liegt eine Strafanzeige vor. Worum geht es?

Den Deutschlandbesuch des Facebook-Gründers haben Anwälte zum Anlass genommen, eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen Zuckerberg zu stellen. „Facebook hat vor einigen Wochen gegenüber dem Justizminister versprochen, deutsches Recht zu akzeptieren“, teilte der Würzburger IT-Rechtsanwalt Chan-jo Jun mit. „Wenn wir linke oder rechte Gewaltaufrufe, Volksverhetzung, Verleumdungen, anonyme Hetzseiten oder Gewaltdarstellungen melden, bekommen wir von Facebook noch immer wieder die gleiche Antwort: Es verstößt nicht gegen unsere Gemeinschaftsrichtlinien. Das ist nicht Unvermögen, das ist eine angeordnete Linie.“

Sein Kollege Christian Solmecke aus Köln beteiligt sich an der Klage und erklärt die Details im Video:

Zuvor wurden die Ermittlungen gegen drei deutsche Facebook-Manager eingestellt. Die Hamburger Staatsanwaltschaft prüfte eine Strafanzeige wegen der vorsätzlichen Beihilfe zur Volksverhetzung. Eine strafrechtliche Verantwortung der Beschuldigten für die umgehende Löschung der Hass-Postings im sozialen Netzwerk habe allerdings nicht festgestellt werden können, teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit. Die Manager sind bei der Facebook Germany GmbH, die laut Staatsanwaltschaft im Wesentlichen mit der Akquise von Werbekunden in Deutschland zur Finanzierung des Online-Portals facebook.com befasst sei. Das Verfahren wurde den Angaben zufolge am 3. Februar eingestellt.

Die Strafanzeige war im Oktober von einem Anwalt aus Würzburg gestellt worden. Er argumentierte, dass ohne die Werbeeinnahmen, die die Facebook-Firma in Hamburg erzeuge, das Portal nicht betrieben werden könne. Kritisiert wurde, dass von Nutzern veröffentlichte Hassbotschaften von Facebook nicht gelöscht wurden.

Was hat Zuckerberg noch in Berlin vor?

Offiziell herrscht Geheimhaltung um viele Details des Zuckerberg-Besuchs. Wo die Veranstaltung stattfinden wird, ist auch zwei Tage vorher noch nicht bekannt.

Anreisen wird Zuckerberg bereits am Donnerstag. Sein Terminplan sieht Folgendes vor:

14 Uhr:

Treffen mit Kanzleramtsminister Peter Altmaier im Facebook Innovation Hub:

Die neue Facebook-Repräsentanz wird offiziell eingeweiht - zu den 300 Gästen wird auch der US-Botschafter John B. Emerson gehören. In Premiumlage am Potsdamer Platz ist auf 1300 Quadratmetern Raum für 50 Mitarbeiter. Bislang hatte Facebook in Berlin nur eine Handvoll Schreibtische bei einem Bürodienstleister gemietet.

20 Uhr:

Preisverleihung Axel Springer Verlag im Axel-Springer-Haus:

Mark Zuckerberg ist der erste Preisträger des neu ins Leben gerufenen Axel-Springer-Awards, der von nun an jährlich verliehen wird. Der Preis zeichnet herausragende Unternehmerpersönlichkeiten aus dem In- und Ausland aus, die in besonderer Weise innovativ sind, Märkte schaffen und verändern, die Kultur prägen und sich gleichzeitig ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Springer SE: „Wir zeichnen Mark Zuckerberg aus, weil er mit Facebook das wichtigste Kommunikationsmittel einer neuen Generation geschaffen hat. Facebook hat unsere Kultur verändert und bereichert, stellt uns aber auch vor neue Herausforderungen.“

Wie kann ich das Townhall-Meeting verfolgen, wenn ich keinen der begehrten Plätze ergattert habe?

 shz.de berichtet am Freitag ab 12 Uhr im Liveticker aus Berlin. Außerdem will Mark Zuckerberg am Freitag einen Link zu einem eigenen Livestream veröffentlichen.

Wie kann ich mich zu einem zukünftigen Townhall-Meeting anmelden?

Anmeldungen nimmt Facebook hier entgegen.

 
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von
erstellt am 24.Feb.2016 | 20:30 Uhr

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