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Netzwelt

03. Dezember 2016 | 14:43 Uhr

Love-Story auf Snapchat

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Bayrische Rundfunk probiert mit Snapchat herum – und landet einen überraschenden Erfolg.

Eine Prise Foto-Love-Story, eine angesagte App und ein Hauch Scripted Reality: Der Bayerische Rundfunk hat für das neue Jugendprogramm „funk“ in die Experimentierkiste gegriffen. Herausgekommen ist eine Art Teenie-Seifenoper in der Erzählform von Snapchat, also wackelige Videoschnipsel mit Emojis darauf – beinahe in Echtzeit. Gezeigt wurde die Serie nicht im Fernsehen, sondern in der App. Da Snapchat ja alles wieder löscht, wurden die Folgen auf Youtube archiviert. Die Geschichte: Die 19-jährige Serafina erwischt ihren Freund beim Fremdgehen, zieht in eine WG und beginnt ein Modepraktikum. Bestes Futter für Soap-Fans. Sender-Angaben zufolge ist „iam.serafina“ die erste Snap-Soap überhaupt – die Fans bekamen jeden Tag Updates von der Jugendlichen, die ausführlich zeigt, wie sie schlecht abgewaschene Töpfe auf einen Gasherd stellt oder auf dem Oktoberfest unterwegs ist. Natürlich fehlt ein Kreischvideo aus der Achterbahn nicht. Nebenbei postete Serafina modische Bilder auf Instagram und chattete mit Zuschauern.

Es häufte sich die Frage, ob die Geschichte fiktiv sei. Eine Verwirrung, die wir von RTL2-Formaten kennen. Auch Serafinas Seifenoper ist ausgedacht, allerdings ist die Figur nah an der Schauspielerin angelegt. Diese Idee wurde ein Überraschungserfolg. Mehr als 14  000 Aufrufe erzielten die 14 Snapchat-Folgen jeweils. Damit hatten die Macher nicht gerechnet und planen eine Fortsetzung. Ich muss zugeben: Die Geschichte selbst hat mich nicht gepackt, ich habe keines der Videos im Youtube-Archiv bis zum Ende ertragen. Doch das Format finde ich spannend. Filmemacher könnten so auch weniger banale Geschichten aus unterschiedlichen Perspektiven erzählen. Ich stelle mir gerade die Verfilmung – pardon: Versnappung – des Buches vor, das ich gerade lese: „Altes Land“ von Dörte Hansen. Hamburger Stadtneurotiker prallen auf Eingeborene hinterm Elbdeich. Leider müssten die Stadtneurotiker sich eine neue Zuflucht suchen, wenn selbst die knorrigsten Apfelbauern künftig für Snapchat mit dem Selfiestick durchs Alte Land trotten.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 12:23 Uhr

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