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Netzwelt

24. März 2017 | 15:03 Uhr

Dirks' Netzwelt : Kinderfotos im Internet: Empört euch (nicht)

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf der Facebookseite „Little Miss & Mister“ werden fremde Kinderfotos geteilt. Kolumnist und Anwalt Stephan Dirks sieht die Eltern in der Schuld.

Die ersten beiden Monate des Jahres 2017 sind demnächst Geschichte – Zeit für die Frage nach den Vorsätzen. Haben Sie alles eingehalten, was Sie sich vorgenommen haben? Wenn ja, steigern wir den Schwierigkeitsgrad etwas: Anfang 2015 hatte ich vorgeschlagen, dass Sie sich für das neue Jahr vornehmen, keine Kinderfotos mehr in soziale Netzwerke zu posten. Wie sieht es denn damit aus?

Natürlich komme ich nicht aus moralischen Gründen auf die Sache zurück. Sondern aus rechtlichen, dazu gibt es auch noch den berühmten „redaktionellen Anlass“. Denn in der zu Ende gehenden Woche war auf shz.de zu lesen, dass eine obskure Facebook-Seite frei verfügbare Kinderfotos teile. Aus irgendwie satirischen Gründen, war zu lesen. Man wolle auf Missstände hinweisen – was man interessanterweise dadurch umsetzt, entsprechende Fotos so zu aggregieren, dass sie auch für Zeitgenossen mit ganz und gar unsatirischen Absichten nützlich sind.

Die entsprechenden Eltern reagieren nun erwartbar, nämlich „empört“. Die oft für ihr seltsames Deutsch gescholtenen Juristen haben für solche Empörung einen sehr treffenden Begriff: „Protest gegen das eigene Verhalten“ - wer sich auf sein Latinum etwas einbildet, sagt „venire contra factum proprium“. Die „Empörung“ ist also nichts als heiße Luft, denn sie richtet sich vor allem gegen die eigene Geltungssucht. Rechtlich ist – vorausgesetzt, das Foto wurde von der oder dem Erziehungsberechtigten selbst ins Netzwerk eingestellt – natürlich rein gar nichts zu machen. Denn die notwendige Einwilligung zur Veröffentlichung erteilen Mama oder Papa als gesetzliche Vertreter ihrer Kleinen beim Hochladen des Bildmaterials. Und naheliegender Weise umfasst diese Einwilligung alle Funktionen der jeweiligen Plattform. Das „Teilen“ durch Dritte – egal mit welchen edlen bis schmierigen Absichten – inbegriffen. Es hilft hier also keine Empörung und es helfen keine rechtlichen Schritte. Es hilft – wenn überhaupt – nur tatsächliches „Löschen“. Und das Prinzip Hoffnung: Vielleicht sind sie im Facebook-Hauptquartier ja heute zum Einschreiten aufgelegt.

Aber die Lage ist nicht aussichtslos. 2017 ist noch jung genug, um mit der eigenen Medienkompetenz zu wachsen. Fangen Sie heute damit an.
 

> Stephan Dirks ist Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht in Kiel.

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erstellt am 03.Mär.2017 | 08:52 Uhr

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