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Netzwelt

11. Dezember 2016 | 07:06 Uhr

Fietzes Netzwelt : Kinder am Smartphone: Ausprobieren muss sein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Altergrenze für Tablet & Co? Nein, meint unser Kolumnist – wenn wir die Weichen richtig stellen.

„Ab wann muss es denn nun ein Smartphone sein?“ Der Vater schaut fragend in die Runde des Elternabends. Fünfte Klasse, handylos – was nun? Für die Kleinen bedeutet das… nichts Schlimmes. Wenn die Eltern nah dran sind an ihrem Kind.

Die JIM-Studie (gestern frisch erschienen) spricht von 95 Prozent Smartphone-Besitz bei 12- bis 19-Jährigen. Von gestiegenem Zugriff auf WhatsApp und längeren Handynutzungszeiten für Hausaufgabenrecherche in der fünften und sechsten Klasse. Das Kopfschütteln über das „Notfallhandy“ im Grundschulalter bleibt zunehmend aus – wir leben in einem Flächenland, der ÖPNV bedient die Apps zuverlässig mit einem Verspätungsalarm, Eltern koordinieren sich über „Glympse“ und „Waze“ in Echtzeit oder fangen beim Abholen an der Kita schnell noch ein virtuelles Pokémon ein. Was erwarten wir da von den Kleinen?

Wenn ich mich als Erwachsener ab und zu zusammenreiße, kann ich mein Kind auch in Klasse Fünf noch ohne Smartphone durchs Leben schicken. Ohne Besitz – aber bitte nicht völlig touch- und swipefree. Ausprobieren im Grundschulalter muss sein. Auch mal unbeobachtet auf dem – mit sanftem Kinderschutz versehenen – Familientablet.
Nur ein Viertel der 14-Jährigen nimmt sich abends und nachts „handyfrei“. (Jim-Studie 2016, S. 53) Diesen Wert erhöhen wir, wenn früh Kommunikation mit dem Smartphone erprobt werden darf. Wenn klar ist: Eltern dürfen Regeln einführen, aber Eltern erlauben auch. Und: Auch die anderen Familienmitglieder haben Nutzungsregeln, und wenn die Kids merken: Ich darf und kann schon was auf dem Wunderding. Noch viel besser: Offline hört der Spaß nicht auf – viel Spaß beim Kniffeln, wenn die Eltern das noch beherrschen.

> Der Autor Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel.
 

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