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Netzwelt

09. Dezember 2016 | 14:38 Uhr

Internetanschluss : Keine Angst vorm Anbieterwechsel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Verbraucher scheuen einen Anbieterwechsel aus Angst, dass die Leitung künftig tot oder die bisherige Rufnummer weg ist. Dabei ist - zumindest in der Theorie - alles eindeutig geregelt.

Die Vorfreude auf die neue DSL-Leitung mit größerer Übertragungsrate und auf den Tag der Umstellung ist groß. Doch plötzlich geht gar nichts mehr: Die Internetseite baut sich nicht mehr auf, das E-Mail-Postfach bleibt leer, und auch das Festnetztelefon streikt. Kaum noch jemand kann es sich leisten, tagelang von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Damit der Wechsel zu einem neuen DSL-, Mobil- oder Festnetztelefonie-Anbieter möglichst reibungslos funktioniert, sollten Verbraucher ihn vorbereiten.

„Zunächst sollten Kunden sich in ihren Vertragsunterlagen darüber informieren, wann ihr jetziger Vertrag ausläuft und welche Kündigungsfristen bestehen“, sagt der IT-Fachanwalt Christian Solmecke aus Köln. In den meisten Fällen werden Telefon-, Handy- oder DSL-Verträge für 24 Monate abgeschlossen. Die Kündigungsfrist betrage zumeist drei Monate. Wer keine zwölfmonatige Vertragsverlängerung riskieren will, sollte sich frühzeitig kümmern.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) empfiehlt, den neu gewählten Versorger bei Vertragsschluss mit der Kündigung beim alten Anbieter zu beauftragen. So können sich die Anbieter über Anschlusswechsel und Rufnummermitnahme verständigen. Zur Sicherheit sollte man einen mehrwöchigen Zeitpuffer vor Ablauf der Kündigungsfrist einplanen.

Viele Fehler beim Anbieterwechsel passieren schon beim Ausfüllen des Auftragsformulars. Hier ist Konzentration angesagt. „Name und Adresse müssen den Angaben beim alten Anbieter entsprechen“, mahnen die Verbraucherschützer. „Auch bei den zu portierenden Rufnummern sollten Sie sich keinen Zahlendreher leisten.“ Sonst drohen später Probleme bei der Auftragsbearbeitung. Soll die Rufnummer behalten werden, erledigt das auch am besten der neue Anbieter. Festnetzkunden haben laut Verbraucherzentrale zum Vertragsende und Mobilfunkkunden jederzeit das Recht, ihre Rufnummern auszulösen.

Niemand muss sich Sorgen machen, dass seine Leitung unerwartet gekappt wird: Seit 2012 gilt laut Telekommunikationsgesetz, dass der bisherige Anbieter nach Ablauf der Vertragszeit nicht einfach seine Leistung einstellen darf, wenn bereits ein Anbieterwechsel eingeleitet wurde. Laut Anwalt Solmecke ist der bisherige Anbieter verpflichtet, so lange weiter zu versorgen, bis alle vertraglichen und technischen Details für den Wechsel zum neuen Anbieter geklärt sind.

Lediglich am Tag der Umstellung müssen Verbraucher mit einer Unterbrechung leben – sie darf aber nicht länger als einen Kalendertag dauern. „Gelingt die Umschaltung auf den neuen Anbieter zum angekündigten Termin nicht, und ist der Verbraucher länger als einen Kalendertag ohne Telekommunikationsversorgung, ist zunächst der bisherige Anbieter zur Weiterversorgung verpflichtet“, sagt Solmecke. Darauf hat der Kunde Anspruch bis zum nächstmöglichen Umschalttermin.

Muss nach einem geplatzten Umschalttermin der alte Anbieter weiter versorgen, ist laut VZBV über das Vertragsende bis zum erfolgreichen Wechsel hinaus nur noch die Hälfte der ursprünglichen Grundkosten fällig. Entgelte für Anrufe sind weiterhin in voller Höhe fällig. Den neuen Anbieter müssen Kunden erst bezahlen, wenn der Wechsel erfolgreich abgewickelt ist.

Auch für die Rufnummernmitnahme gibt es eindeutige Spielregeln. „Sollten die vertraglichen Voraussetzungen des Anbieterwechsels vorliegen, so muss die Portierung der Rufnummer erfolgen“, betont Solmecke. Hierauf habe nicht nur der Verbraucher, sondern auch der Neu-Anbieter einen gesetzlichen Anspruch. Sofern die Rufnummernportierung nicht stattfindet, kann der Verbraucher den Vertrag fristlos kündigen. Voraussetzung ist eine angemessene Frist zur Beseitigung des Mangels.

Scheitert der Wechsel innerhalb eines Kalendertages letztlich trotz aller Vorkehrungen, sollten Kunden sich beschweren. Und das nicht nur schriftlich bei den betroffenen Anbietern, sondern auch bei der zuständigen Aufsichtsbehörde, der Bundesnetzagentur. Die kann in Extremfällen Druck machen und auch Geldstrafen verhängen.

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