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Netzwelt

22. Januar 2017 | 15:15 Uhr

Smartphone-App Miitomo : Kehrtwende: Nintendo setzt auf Apps

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Veröffentlichung von Miitomo, Nintendos erster Smartphone-App, mag wie eine Randnotiz wirken. Für die japanische Videospielfirma ist es aber ein einschneidender Schritt.

Nicht nur Mario ist Vater des Erfolgs von Nintendo. Als das japanische Unternehmen in den Achtzigern das Nintendo Entertainment System (NES) veröffentlichte, brachten auch strenge Richtlinien den Konsolenhersteller an die Spitze. Wer für das NES entwickeln wollte, musste sich auf fünf Titel pro Jahr beschränken. Erst kurz zuvor ging Atari durch eine Flut von zu schnell und billig produzierten Titeln unter – Nintendo Führung wollte daher um jeden Preis die Qualität ihrer Spiele sichern. Der Erfolg gab ihnen schließlich Recht und machte Qualität und Kontrolle zu Eckpfeilern des Unternehmens. Dreißig Jahre später akzeptiert Nintendo nun einen Kontrollverlust – erstmals entwickeln die Japaner auch Spiele für fremde Geräte.

Der japanische Videospielhersteller Nintendo setzt auf Qualität und Kontrolle  und auf die Konsole. Nun beugt sich das Unternehmen dem Druck des Marktes und weicht sein Konzept auf.

Kaum drei Jahre ist es her, dass Nintendos damaliger Präsident Satoru Iwata Smartphone-Apps mit Mario, Link & Co kategorisch ausschloss. Die eigenen Konsolen werden alleine durch die guten Spiele mit den beliebten Charakteren verkauft – mit Apps auf fremden Plattformen würde man dieses Modell untergraben. „Wenn es nur um den Erfolg der nächsten Jahre ginge, wäre meine Einstellung wahrscheinlich Unsinn“, sagte Iwata damals. „In zwanzig Jahren könnten wir aber auf diese Entscheidung zurückblicken und verstehen, dass Nintendo nur deshalb noch immer existiert.“

Wieso nun die 180-Grad-Wende? Nintendo hat einige der schwersten Monate seiner Unternehmensgeschichte hinter sich. Nachdem die Bewegungssteuerung der Wii die Wohnzimmer unzähliger Familien eroberte, blieb die Nachfolgekonsole Wii U in den Regalen stehen. Viele große Marken wie die Fußball-Simulation FIFA oder den Shooter „Call of Duty“ bekommt man nur bei der Konkurrenz von Sony und Microsoft. Die neugewonnen Kunden der Wii versucht man ebenfalls vergeblich mit Party-, Sport- oder Mario-Spielen anzulocken. Sie sind nun mit „Candy Crush“ & Co auf ihren Smartphones beschäftigt.

Finanziell ist Nintendo durch die hohen Einnähmen der Wii-Generation zwar gut abgesichert, aber dem Druck der Aktionäre ist trotzdem schwer standzuhalten. Seit dem Wii-U-Release befand sich der Aktienkurs konstant auf dem Sinkflug und die Forderungen nach Smartphone-Apps wurden immer lauter. Kaum gab man diesem Wunsch nach, verdoppelte sich der Wert der Nintendo-Aktie innerhalb weniger Wochen. Die Investoren waren schnell besänftigt. Nun geht es aber um die Fans. Der neue Weg erfordert von der Unternehmensleitung einiges an Fingerspitzengefühl.

Nintendos Kunden sind seit den Achtzigern Bedachtheit und Stabilität gewohnt – Qualitäten, die konträr zum schnelllebigen Smartphone-Markt stehen. Anstatt sofort alle Marken zu verarbeiten, sucht das Unternehmen eine ruhige und überlegte Herangehensweise. Für kurzfristige Profite könnte Nintendo zwar auch schlicht sein Tafelsilber auf den Markt werfen, einfache Neuauflagen der alten Hits stehen aber nicht zur Debatte. Lieber behält man die Klassiker als Absicherung für die eigenen Plattformen. Erst kürzlich konnte man beispielsweise mit einer Wiederveröffentlichung der alten Pokémon-Spiele dem 3DS zu neuem Schwung verhelfen.

Für den Smartphone-Markt sucht Nintendo nun speziell zugeschnittene Spiele und lässt sich dafür entsprechend Zeit. Inklusive Miitomo sollen im Geschäftsjahr 2016 fünf Apps erscheinen – im Vergleich zu anderen Entwicklern eine sehr kleine Zahl. Ob die alte Begrenzung aus der NES-Ära nun auch die Qualität der Smartphone-Spiele sichert, werden die kommenden Monate zeigen. Die intensive Arbeit an jedem einzelnen Titel verdammt Nintendo aber dazu, dass jeder Anlauf ein Hit wird.
 

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