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Netzwelt

07. Dezember 2016 | 13:31 Uhr

Fligges Netzwelt : Invasion der blassen Freiluftverweigerer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jetzt auch in Deutschland verfügbar: Im Netz und auf den Straßen gibt es kaum noch ein anderes Thema als „Pokémon Go“.

Der Damm ist gebrochen: Am Mittwoch wurde das heiß ersehnte Smartphone-Spiel „Pokémon Go“ auch für deutsche Smartphone-Nutzer offiziell freigeschaltet. Jetzt kann man sich auch hierzulande auf die Jagd nach den knuffigen Taschenmonstern wie Pikachu begeben. Der Clou: Wer eine der virtuellen Comic-Figuren fangen will, muss sich bewegen. Denn der Hersteller Nintendo verknüpft die digitale Welt des Spiels mit der Realität. In den Vereinigten Staaten, Australien und Neuseeland ist das Spiel seit knapp einer Woche verfügbar und hatte dort bereits für Chaos gesorgt.

Es sind verstörende Bilder: Blasse Menschen, die sonst eher wenig für Freiluftaktivitäten übrig haben, strömen in Rudeln an die frische Luft, die Augen auf die Displays gerichtet. Denn die neue Pokémon-Generation wird nur über die Smartphone-Kamera sichtbar. Ziel ist es, möglichst viele der kleinen Tiere einzufangen und sie zu trainieren, um sich mit anderen Spielern in Kämpfen zu messen.

Das dahinter stehende Konzept der erweiterten Realität (Augmented Reality) gewinnt damit endlich an Fahrt. Das Verknüpfen von unserer Umgebung mit dem digitalen Raum – bei Pokémon über einen Kartendienst – galt zuvor in der Fachwelt als spannend. Der Massenmarkt blieb davon bis dato unbeeindruckt.

Es ist schon bizarr, welche Blüten der Hype um das Spiel jetzt treibt: Schon warnt der ADAC vor Unfällen mit Pokémon-Spielern, weil diese getrieben wie Zombies den Blick für den Straßenverkehr verlieren. Die Monster verstecken sich auch in Büros, sodass Arbeitgeber darauf hinweisen müssen, die Jagd auf die Pausen zu beschränken. In den USA findet eine Frau auf der Suche nach wilden Relaxos, Glumandas und Schiggys in einem Fluss eine Leiche. Und besonders beschämend: Selbst auf dem Gelände der Holocaust-Gedenkstätte Auschwitz lassen sich Pokémon fangen.

Aber Hey: Die gute Seite ist doch, dass sich die Spiele-Nerds endlich bewegen und neue Leute wieder in der Realität kennenlernen. Fragt sich nur, wie lange der Hype anhält.

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erstellt am 14.Jul.2016 | 17:05 Uhr

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