zur Navigation springen

Netzwelt

05. Dezember 2016 | 19:47 Uhr

Urheberrecht : Internetphänomen Meme: Ein Frosch wird zum Hass-Symbol

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Trump oder Putin – Frosch „Pepe“ hat viele Gesichter. Seit 2005 geistert die Comicfigur als Meme im Netz herum. Dürfen Nutzer mit ihm machen, was sie wollen?

Er war einmal ein fröhlicher Zeitgenosse, der Zeichentrick-Frosch „Pepe“. Als Urgestein der Meme-Kultur (sprich: Miem) hatten die Internetnutzer mit ihm nichts Böses im Sinn, posteten sein Bild in die Kommentarspalten, wenn sie es als passende Antwort auf einen Beitrag empfanden. Mal zählte der Gesichtsausdruck, mal der Spruch, mit dem Pepes Bild verziert wurde.

Memes sind ein Teil der Internetkultur. Aber wenn Nutzer die Bilder verarbeiten und weiterverbreiten, machen sie sich in vielen Fällen strafbar – verwenden sie doch urheberrechtlich geschützte Werke dafür.

Doch diese friedlichen Zeiten sind vorbei: Die US-amerikanische Anti-Defamation-League, die gegen gegen die Diskriminierung und Diffamierung von Juden eintritt, hat das Meme in seine Liste der rechten Hass-Symbole aufgenommen. Im Netz tauchten zuletzt immer mehr Varianten auf, die „Pepe the Frog“ im Zusammenhang mit rechtem Gedankengut zeigen: Pepe mit Hitlerbärtchen, als Attentäter auf die Zwillingstürme des World Trade Centers oder verziert mit einer Sprechblase, deren Aussage sich gegen Juden richtet. Auch Rechtspopulisten wie der US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump haben sich den Internet-Star zunutze gemacht.

Seit 2005 geistert die Figur des Frosches im Internet als Meme herum, der US-amerikanische Künstler Matt Furie schuf die Figur ursprünglich für seinen Comic „Boy’s Club“. Was der Urheber Furie von der Aufnahme seiner Figur in die Liste der Anti-Defamation-League hält, ist unklar. Sicher ist, dass die Verwendung urheberrechtlich geschützter Werke auch für Memes nicht eindeutig als legal einzustufen ist. In den USA ist eine Nutzung und Veränderung solcher Bilder für private Zwecke unter dem Dach der Meinungsfreiheit geschützt – Stichwort: Fair Use (deutsch: faire Nutzung). Ob darunter auch die Verwendung eines Memes auf der offiziellen Twitter-Seite eines Politikers wie Trump fällt, ist fraglich. Hierzulande jedenfalls begehen alltäglich Nutzer Urheberrechtsverstöße, indem sie Bildchen wie diese ohne Einverständnis ihres Erschaffers bearbeiten und weiterverbreiten.

Mit der EU-Urheberrechtsreform soll die Gesetzeslage an die Massenkultur im Internet angepasst werden. Hierbei soll nicht großen Internetfirmen die Nutzung geschützten Materials für monetäre Zwecke erlaubt werden, sondern rechtliche Klarheit für den privaten Nutzer. Statt einer pauschalen freien Nutzung geht es um die Frage, ob auf ein Fair-Use-System wie in den USA oder eine Bagatellgrenze, die die Nutzung in einem vertretbaren Rahmen für private Zwecke erlaubt, zurückgegriffen werden kann, oder ob eine Art Kulturflatrate, also eine Pauschalabgabe an Rechteinhaber, eingeführt wird. Nach Einschätzung des Urheberrechtsportals irights.info könnte das Meme auch unter die Kunstfreiheit oder Parodie fallen, die mit dem Urheberrecht partiell vereinbar wäre.

Im Hinblick auf die EU-Urheberrechtsreform sprechen Internetfirmen wie Mozilla sich nun klar für die sogenannte Memefreiheit aus. Der Entwickler des Firefox-Browsers startete eine Kampagne, in der er auf die Notwendigkeit einer Legalisierung von Memes hinweist.

„Die aktuellen Gesetze zum Urheberrecht in der EU wurden 2001 verabschiedet“, heißt es bei Mozilla. „Damals hatten die meisten von uns noch kein Smartphone. Die Regeln müssen aktualisiert und harmonisiert werden, damit im Internet Platz zum Basteln, Entwickeln, Teilen und Lernen ist. Bildung, Parodie, Panorama, Remix und Analyse sollten nicht rechtswidrig sein.“

zur Startseite

von
erstellt am 30.Sep.2016 | 11:47 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen