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Netzwelt

04. Dezember 2016 | 07:11 Uhr

Schupperstudium für Schüler : Informatik: Wer ist kompatibel?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Informatik gehört der Zukunft – doch Schüler müssen meist ohne Informatikunterricht herausfinden, ob sie ein Studium beginnen möchten.

Trotz Herbstferien sitzen 43 Schüler aus ganz Schleswig-Holstein konzentriert vor den Computerbildschirmen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Sie tüfteln an der Programmiersprache und versuchen, ein digitales Piratenschiff per Tastenbefehl durch eine Schatzkarte zu navigieren. „Backtracking“ nennt sich diese Methode der Algorithmik, die die angehenden Abiturienten beim Schnupperstudium der Informatik in dieser Woche kennengelernt haben. Ziel der Aktion: junge Menschen für das Studium zu begeistern. Denn geeignete Kandidaten gebe es laut Kursleiter Frank Huch zu wenig.

Um in Kiel Informatik zu studieren, braucht es keine Voraussetzung – zumindest was die Abiturnote betrifft. „Jeder wird erst einmal bei uns aufgenommen“, sagt Frank Huch vom Institut für Informatik. In diesem Semester haben sich 309 Studierende für das Fach entschieden, insgesamt sind es in allen Bachelor- und Masterstudiengängen 1200 an der Uni Kiel. Doch der Dozent weiß, dass einige es nicht schaffen werden. Sie kämen mit der Einstellung, dass es ausreiche, einfach ein „Computerfreak“ zu sein. Aber es ist so viel mehr als das, sagt Huch. „Programmieren macht den Großteil des Studiums aus. Und dafür muss man analytisch und algorithmisch denken können.“

Nach ein paar Tagen Schnupperstudium sieht er bei vielen Schülern bereits das Potenzial. Sie haben die Programmiersprache „Erlang“ kennengelernt, wurden in Vorlesungen über die Gefahren des Phishings aufgeklärt und haben mit einem Roboter einen Raum abgescannt. Auch die beruflichen Chancen waren Thema. Huch: „Der Arbeitsmarkt schreit geradezu nach Informatikern. Unsere Absolventen haben manchmal drei Stellenangebote, ohne eine einzige Bewerbung geschrieben zu haben.“ Seiner Ansicht nach könnten es aber viel mehr Studenten sein, die den Abschluss machen. Dafür müsste das Interesse an dem Fach schon in der Schule geweckt werden.

Mit dem neuen Juniorprofessor für Didaktik der Informatik, Andreas Mühling, hat die Uni einen großen Unterstützer für die Einführung eines Pflichtfachs Informatik an schleswig-holsteinischen Schulen gefunden. Denn Mühling kommt ursprünglich aus Bayern, wo Informatik längst fest im Stundenplan verankert ist. „Die Anfängerzahlen im Studium wuchsen in Bayern zwischen 2008 und 2014 um 44 Prozent. Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein waren es nur 23 Prozent mehr“, so Mühling. Das Pflichtfach könnte auch dafür sorgen, dass bereits frühzeitig ein realistisches Bild der Studieninhalte und der beruflichen Möglichkeiten vermittelt werde. „So könnte man auch solche Schüler ansprechen, die sich sonst vielleicht nicht für das Fach entschieden hätte.“

Für Helen Haase (17) und Bjarne Scholz (17) vom Elensee-Gymnasium in Quickborn steht schon nach dem Schnupperstudium fest: Sie wollen etwas mit Informatik machen. „Ich finde es wirklich cool, dass man durch Logik Dinge schaffen kann. Dabei kann man Kreativität mit Mathematik verbinden – das gefällt mir“, sagt die 17-jährige Schülerin und ihr Klassenkamerad ergänzt: „Das, was wir in der Schule an Informatik machen, ist mir zu wenig. Hier habe ich viel Neues gelernt und konnte die Uni schon mal von innen sehen.“

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erstellt am 29.Okt.2016 | 12:10 Uhr

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