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Netzwelt

10. Dezember 2016 | 11:47 Uhr

Christiansens Netzwelt : In einem Land vor unserer Zeit – Singapurs Behörden gehen offline

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Singapurs Regierung will massenhaft Rechner vom Internet trennen – wegen Gefahren aus dem Cyberspace.

Wir gucken nach links, rechts, oben, unten – und trauen uns doch nicht. Der Weg zum Amt soll künftig digital zu beschreiten sein. Wie genau das aussehen kann, wird seit Jahren in Deutschland diskutiert. Doch selbst die inzwischen gesetzlich beschlossene DE-Mail – ein digitaler Behördenbrief – hat sich noch nicht durchgesetzt. Schleswig-Holstein lässt sich (und den Steuerzahler) das Ganze zwar einiges kosten, hinkt aber mit der flächendeckenden Einführung hinterher. Kritiker wollen sie auch gar nicht mehr – zu unsicher, zu teuer, zu kompliziert zu integrieren.

Unterdessen ist man andernorts schon viel weiter: In Singapur lässt sich fast jeder Behördengang online abwickeln. Noch. Denn obwohl sich das Land auf dem besten Weg zur „smarten Nation“ befindet, kommt man anscheinend mit den Begleiterscheinungen der vernetzten Welt nicht klar.

Das Know-how krimineller Hacker – oder von Geheimdiensten – macht Singapur nervös. Vielleicht kein Wunder, denn es gibt viel zu holen: Neben sensiblen Daten „normaler“ Bürger beherbergt Singapur solche vermögender Asiaten, die die Vorteile des diskreten Bankensystems genießen wollen. Ein Datenleck könnte das Vertrauen der Reichen in die Finanzoase empfindlich stören. Darf aber die Angst vor Angriffen so weit gehen, dass man einer seit langem Einzug gehaltenen Entwicklung den Stecker ziehen und rund 100  000 Rechner in Ministerien, Behörden und anderen staatlichen Institutionen offline nimmt?

Sicher gibt es Datenbanken, die besonders sensible Informationen enthalten und die nicht mit Rechnern verbunden sein sollten, die über das Internet angreifbar sind. Die gab es immer. Doch statt sich resigniert in die Offline-Steinzeit zurückzuziehen, sollte über eine Gestaltung der Rahmenbedingungen nachgedacht und in Sicherheit investiert werden.

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erstellt am 14.Jun.2016 | 18:36 Uhr

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