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Netzwelt

05. Dezember 2016 | 21:47 Uhr

Identität Shoppingtour auf fremde Rechnung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erst tauchen seltsame Mahnungen auf, dann steht eine Inkassofirma vor der Tür. Der Grund für solche bösen Überraschungen kann ein sogenannter Identitätsdiebstahl sein. Diebe missbrauchen in einem solchen Fall fremde Identitäten und Daten, etwa um Beleidigungen zu verschicken, die Freunde ihrer Opfer um Geld zu bitten oder – die häufigste Variante – im Internet einkaufen zu gehen. Dabei lassen sie natürlich nur die Ware zu sich schicken, die Rechnung erhält der Bestohlene. Bei vielen Shops reichten dafür schon Name und Geburtsdatum für eine Bestellung aus, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Noch mehr Schaden kann entstehen, wenn Kriminelle weitere Informationen bis hin zu Konto- oder Kreditkartennummern in die Hände bekommen. An solche Daten kommen Identitätsdiebe auf zwei Wegen, erklärt Christoph Meinel, Direktor des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) in Potsdam: „Einmal über den Massendiebstahl, bei dem Hacker sich Zugang zur Datenbank eines Servicebetreibers verschaffen und zahlreiche Identitäten auf einmal erbeuten“, so der Experte. „Die zweite Möglichkeit besteht darin, den einzelnen Nutzer gezielt anzugehen, zum Beispiel mit Phishing-Mails.“

Kriminelle können außerdem ein erbeutetes Passwort bei anderen Accounts des Opfers durchprobieren. Und Kriminelle mit Zugriff auf ein E-Mail-Konto können so bei vielen Diensten das Passwort zurücksetzen lassen und sich Zugriff verschaffen.

Mit individuellen Passwörtern und Datensparsamkeit vorbeugen ist deshalb Pflicht. Denn auf die Anbieter allein ist kein Verlass: So hat das HPI schon über 230 Millionen Nutzerdatensätze gesammelt, die Hacker abgegriffen und veröffentlicht haben. Wer wissen will, ob er dabei ist, kann das im Netz beim „Identity Leak Checker“ des HPI tun, oder auch beim BSI-Sicherheitstest oder auf haveibeenpwned.com.

Vor individuellem Identitätsdiebstahl können sich Nutzer selbst schützen. Virenscanner bekämpfen zum Beispiel sogenannte Keylogger, die Zugangsdaten abgreifen. Gegen Phishing-Mails helfen Vorsicht und gesunder Menschenverstand. Und Passwörter sollten nicht nur individuell, sondern auch sicher sein.

Doch was, wenn das alles nichts hilft? „Gefährlich ist Identitätsdiebstahl, weil er oft erst später auffällt“, sagt Christoph Meinel. Bis Mahnungen für nicht bezahlte Rechnungen auftauchen, kann einige Zeit vergehen. Und auch zwischen Kauf und Kreditkartenabrechnung liegen oft ein paar Wochen. Im schlimmsten Fall ist es darum umso wichtiger, schnell zu handeln. Nicht nur, um die Kontrolle über geknackte Accounts zurückzubekommen, zum Beispiel mit einem neuen Passwort und dem Sperren der Kreditkarte. „Entscheidend ist vor allem, Strafanzeige zu erstatten“, rät Rechtsanwalt Thomas Feil aus Hannover. „Denn häufig ist es bei Identitätsdiebstahl sehr schwer herauszufinden, was überhaupt passiert ist.“ Bei der Anzeige erstellt die Polizei eine Ermittlungsakte, die wertvolle Informationen enthält. Falsche Einträge auf Kreditkartenrechnungen lassen sich zurückbuchen, Einkäufen können Betroffene beim Händler widersprechen.

Mahnungen und Inkasso-Vorgänge nach einem Identitätsdiebstahl führen häufig zu einem negativen Schufa-Eintrag. Am besten beantragen Betroffene eine kostenlose Schufa-Datenübersicht. Finden sich unverschuldete Negativeinträge, sollte man widersprechen. Beim Beweis können die Informationen in der Ermittlungsakte eine große Hilfe sein. Aus dem gleichen Grund rät Feil auch, E-Mails und Daten rund um den Diebstahl zu archivieren: „Viele Betroffene löschen in Panik den Inhalt ihrer Rechner. Oft gehen dabei aber wichtige Informationen verloren.“

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